4. April 2016

Versöhnt? Reconciled?

Am Sonnabendmittag ging unsere Tagung zu Ende. Wir haben das Thema VERSÖHNUNG aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Auf der ganz persönlichen Ebene gab es gute und sehr offene Gespräche. Für manche war es überraschend, dass es nicht nur um Versöhnung mit einem Gegenüber ging, sondern auch darum, mit sich selbst versöhnt zu sein. Meditation und Atemübungen können dazu beitragen, dass wir entspannter mit unseren inneren Konflikten umgehen.
Die Frage nach dem "Versöhnt sein mit Gott" hat viel mit unseren Gottesbildern zu tun, die ganz individuell sein können, geprägt von persönlicher Erfahrung und/oder von biblischen Bildern.
Wortwörtlich im Mittelpunkt der Tagung stand der Besuch der Gedenkstätte in Krzyzowa/Kreisau. Hier traf sich der Kreisauer Kreis, Menschen, die zur Zeit der Nazidiktatur überlegten, wie das Leben nach dem Krieg in Europa weiter gehen könnte. Für ihre Gedanken bezahlten viele von ihnen mit dem Leben. Ein besonderer Höhepunkt war dann die noch relativ neue Ausstellung MUT UND VERSÖHNUNG, die ja wie für unsere Tagung konzipiert war. Die Erinnerung auch an den polnischen Kampf um Demokratie hat uns Gäste in Polen sehr beeindruckt, auch der bericht und später der besuch des Denkmals zum Brief der Polnischen Bischöfe and die Deutschen, der Vergebung schenkte und um Vergebung bat. Und so waren wir zumindest in Gedanken auch mit unseren polnischen Freundinnen auf der Demonstration zur Bewahrung der Demokratie.
Mehr als ein Beiprogramm war natürlich die Kuturhauptstadt Wroclaw mit ihrem VIERTEL DER GEGENSEITIGEN ACHTUNG; ihren vielen wunderschönen Kirchen und Denkmälern. 
VERSÖHNUNG UNd WEITER? war unser Thema und es bleibt ein fortwährende prozess, der nicht immer leicht ist, aber immer lohnt.
Saturday at noon our conference ended.We took a look at our topic RECONCILIATION from many angles: very personally, not just with another person but with ourselves. meditation and breathing exercises can help us deal with our inner conflicts. The question of our being reconciled with god very much depends on the images that we have of God, some are influenced by very personal experience, others by Biblical metaphors.
Literally in the centre of our conference was a vist to Krzyzowa where the Kreisau Circle met during the Nazi reign, and discussed how life and society could be organized after the war. most of them paid for theri thought with their lives.  Another Highlight was the relatively new exhibition on COURAGE AND RECONCILIATION.
The city Wroclaw was of course also more than just an extra; with its many beautiful churches and thoughtful memorials. Our Topic was RECONCILIATION AND THEN WHAT? what comes after reconciliation? Actually reconciliation is a never ending process, not always an easy one and much more than a handshake and it takes time. But it is worth it.

Kommentare:

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  2. Versöhnung nach Breslau

    Manchmal helfen die Wahrnehmungen unserer Sinne beim Erinnern. Manche Karte mit Motiven aus unseren Breslauer Tagen habe ich in der vergangenen Woche verschickt, und jedes Mal, wenn ich die Tüte mit den Ansichten aus Schweidnitz, Kreisau und Breslau hervorholte, nahm ich noch einmal jenen besonderen Geruch wahr, der einem bei Betreten der Schweidnitzer Friedenskirche entgegenschlägt. Die Karten hatten diesen Duft angenommen.

    Mit diesem Duft tritt dann auch der Geist unserer Tagung wieder ins Bewusstsein. Wie wohltuend war es doch zu erleben, dass Versöhnung tatsächlich möglich ist, noch dazu an einem Ort, an dem vor siebzig Jahren ein Austausch der Bevölkerung stattgefunden hat und den zur damaligen Zeit kaum ein Deutscher besuchen konnte. Wie oft kamen wir vor dem Hintergrund verschiedener Versöhnungserzählungen zu dem Schluss, dass es Zeit, oft viel Zeit braucht, damit Versöhnung möglich wird?! Was es dazu braucht, sind aber immer auch Initiativen guten Willens, getragen von Einzelnen oder von (kleinen) Gruppen, die bereit sind, die Sicht der anderen Seite in die eigene Betrachtung mit einfließen zu lassen. Gespräche mit einer vermeintlich andersdenkenden Gegenseite zu suchen, in der Überzeugung, dass es einem selbst und dem Gegenüber im Laufe des Gesprächs, mit der Zeit also, besser gehen wird, muss immer wieder Triebfeder unseres Handelns sein. Das Viertel der gegenseitigen Achtung wäre ohne solches Handeln nie entstanden, ebenso wenig wie die Begegnungsstätte in Kreisau, an deren Beginn die Versöhnungsmesse am 12. November 1989 stand – drei Tage nach dem Mauerfall, mit dem ebenso eine Aufgabe der Versöhnung verbunden war: der Versöhnung der Deutschen mit sich selbst.

    „Versöhnen statt spalten“ - Johannes Rau hatte es 1987 so formuliert, und da wir in unserer Breslauer Gruppe eine größere „Fraktion“ aus Nordrhein-Westfalen hatten, darf hier an diesen großen Versöhner erinnert werden. Wenn eine Kirche diesen moralischen Impetus zum Gegenstand einer Begegnungstagung macht, erfüllt sie ihre friedensstiftende Aufgabe in vorbildhafter Weise. Wir alle, die in Breslau dabei waren, haben etwas vom Geist unserer Tagung mit nach Hause genommen. Unsere Seele hat Nahrung erhalten, die sie in Energie für alltägliches Handeln umsetzen will, in ein Handeln, das unsere Welt ein Stück besser macht. Was wir erfahren haben, war auch ein gutes Stück Fortbildung in Konfliktlösung.

    Nicht nur der Geist unserer Tagung ist zu Hause angekommen. Auch polnisches Brot, Bier und Wurst. Es reichte am Ende nicht nur für einen polnischen Abend nach der Rückkehr, auch für die Folgetage blieben noch ein paar Freuden für die Sinne. Bis hin zu den Momenten, in denen die letzten Karten aus der Schweidnitzer Kirche geschrieben waren.

    Roland Meister

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  3. Lieber Herr Meister,
    danke für Ihren Kommentar. Mir geht es auch jedesmal so, wenn ich dort gewesen bin. Versöhnung ist ganz lebendig und hört nie auf. Zwar empfinde ich dies oft als ein Geschenk, aber eben ein lebendiges, dass immer weiter gepflegt und genährt werden sollte.
    Herzliche Grüße
    Tamara Hahn

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  4. Und noch ein Kommentar von Ursula W., die ebenfalls dabei war..
    "Mir hat wie immer die Tagung in Breslau sehr gut gefallen und gut getan. Das Zusammensein mit Christen aus verschiedenen Ländern, sich in so kurzer Zeit kennen lernen zu dürfen und sich trotz verschiedener Sprachen, gut zu verstehen, ist immer wie ein Wunder, das ich erleben kann.
    Es erstaunt mich auch immer aufs Neue, was sich das Leitungsteam ausdenkt, erfüllt von Gottes Geist, die Tagungsteilnehmer am Ende auf einen Punkt zu bringen, dass Alles wunderbar war. Deshalb meinen herzlichsten Dank für die schönen Tage. Bitte stellen sie es in den Blog, mit herzlichen Grüßen an alle Teilnehmer. Ihnen liebe Frau Hahn Gottes Segen und liebe Grüße Ihre Ursula W. mit Matthias und Marianna."

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  5. Ja, schade nur, dass die Liste mit den E-Mail-Adressen anscheinend verschollen ist... Ich denke, nicht nur ich würde gern mit einigen noch das Gespräch fortführen...
    Hana Jüptnerová, Tschechien

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