Heute der zweite Teil von Elkes Predigt:
Klingt das Folgende nun endlich wie ein Märchen aus 1001 Nacht? „Schließlich war Esther an der Reihe. Sie wollte nichts mitnehmen, außer wozu ihr die Aufsicht, ein Verwandter, geraten hatte. Nun gewann Esther die Zuneigung aller, die sie sahen. Als Esther in den Palast geholt wurde, regierte der König bereits sieben Jahre“. Und klar - märchenhaft entwickelte er eine Vorliebe für sie. „Er liebte sie mehr als alle anderen Jungfrauen und sie gewann seine Zuneigung. Daher setzte er Esther die Krone auf und machte sie so zur Königin. Er gab ein großes Fest ihr zu Ehren für seine hohen Beamten und Diener. Für die Provinzen gewährte er Steuererlass. Und er verteilte Geschenke, wie es für einen König üblich war“.
Eine Frage der Schönheit! Liebe Gemeinde, wer legt die Definition für Schönheit fest? Misswahlen heutzutage haben keine Vorbereitung im Harem, wohl aber zumeist ungesunde Ernährung, ein festgelegtes Erscheinungsbild und etliches wohl nicht besonders erstrebenwertes. Magersucht z. B. ist lebensgefährlich. Tonnenweise Creme und Kosmetika, dafür sterben Tiere.
Innere Schönheit, also die Liebe zum anderen, die, nach außen, strahlende Zufriedenheit, das sich von Gott geliebt wissen, ein versöhntes Leben trotz aller Schwierigkeiten - wo steht das auf welcher Skala? Und Jungfrauen, weshalb eigentlich? Zur weiteren Schönheitspflege für die Frau äußere ich mich lieber erst gar nicht. Deshalb sagte ich zu Anfang: fast ein Märchen aus 1001 Nacht.
Heute brutale zunehmende Wirklichkeit: Missbrauchsverbrechen in öffentlichen Institutionen, auch in Kirche, im prominennten Umfeld, in der Politik und auch in mancher Familie. Gottlob - landauf und landab heute bekannt, benannt und bestraft. Natürlich darf sich jedes Mädchen, jede Frau schön machen. Sexualität ist von Gott geschenkt und ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Aber bitte nicht gottlos und ohne Verantwortung dem anderen gegenüber, schon gar nicht mit Abhängigen, erst recht nicht mit zu jungen Mädchen oder gar Kindern. Sonst wird aus einem Märchen aus 1001 Nacht die Verzweiflung unzähliger Opfer mit lebenslanger Verletzung. Gesetzgeber, Mensch und Gott, schaut genau hin.
Weshalb erzählt die Bibel die Esthergeschichte und erwähnt unseren Gott im ganzen Kapitel kein einziges Mal mit Namen? Vielleicht hilft uns ein Gedicht von der Jüdin Else Lasker Schüler:
Esther ist schlank wie die Feldpalme,
nach ihren Lippen duften die Weizenhalme
und die Feiertage, die in Juda fallen.
Nachts ruht ihr Herz auf einem Psalme,
die Götzen lauschen in den Hallen.
Der König lächelt ihrem Nahen entgegen –
denn überall blickt Gott auf Esther.
Die jungen Juden dichten Lieder an die Schwester,
die sie in Säulen ihres Vorraums prägen.
Unsere schöne Esher, trauernd über jüdische verlorene Feiertage, die im Exil natürlich nicht gefeiert werden durften. Inmitten der Götzenbilder der anderen hat sie den vertrauten Psalm nicht vergessen. Sehnt der mächtige König sie herbei, weil er plötzlich die Nähe ihres und nachösterlich unseres Gottes spürt? Die jungen Männer aus dem eigenen Volk dichten ihr zur Freude Lieder und schnitzen sie in die Haremssäulen. Leider auch alles Judenprogrom? Doch plötzlich ist er da, unser Gott, ungenannt, aber spürbar und doch kaum vorstellbar. Und meist nicht zu erahnen, was er alles bewirken kann und wird.
Morgen der Abschluss.