Den ersten Teil von Elkes Predigt zur Frage ob man am Sabbat Menschen helfen darf, ihren Hunger zu stillen aus dem Markusevangelium (Kapitel 2) habe ich gestern gepostet.
Anliegen des Evangelisten Marcus ist die Christusverkündigung. Und er ruft zur Kreuzesnachfolge auf. Er denkt und schreibt im Schatten der Ereignisse des Jahres 70, der Tempelzerstörung in Jerusalem. Das Volk Israel am Abgrund. Existenzen vernichtet. Heimat verloren. In Frage gestellter verzweifelter Glaube? Die noch junge Christenheit lebt ganz in der Naherwartung des Heilands. Juden und Christen - auf Identitätssuche und sich gegenseitig bereichernd? Marcus rechnet auch mit einem Lesepublikum außerhalb Palästinas, was also eher „heidenchristlich“ geprägt ist.
Nun erzählt er von Jesu Jüngern, die laut Lutherübersetzung am Sabbat Ähren raufen. Wer kann sich heut noch vorstellen, von den Ähren eines Feldes zu essen? Die älteren kennen vielleicht noch den „Getreidekaugummi“? Die Körner einer Ähre abziehen, sie in den Handflächen reiben, so dass sich die Spelzen lösen, und ganz leicht hineinpusten. Dann fliegen die Hüllen weg und die übriggebliebenen Körner kann man kauen. Wer das lang genug macht, hat eine Art Kaugummi im Mund. Kinder erforschen das gern. Die Jünger hatten offensichtlich Hunger und nun doch wenigstens etwas zu beißen, sozusagen von der Hand in den Mund. Wir haben uns mit dem Erntedanklied noch einmal an Gottes großartige Schöpfung und seine Fürsorge erinnert.
Die Regeln für den Sabbat hatten auch für Jesus einen tiefen Sinn – z. B. dass man zu Fuß, also ohne Zugtiere, die selbstverständlich auch ruhen dürfen, unterwegs ist. Zeit für Begegnung mit der Familie und Gott ebenso wichtig. Heute ist solche Entschleunigung durchaus modern. Ähren raufen die Jünger, ernten keineswegs volle Körbe. Mundraub am Sabbat um satt zu werden – damals durchaus kein Verbot. Von hungernden Jüngern erzählt Marcus, die ihrem Meister folgen. Spitzfindig zeigen die Pharisäer mit den Fingern auf die, die sich zur Nachfolge rufen lassen. Fromme Schriftgelehrte fragen Jesus provokant: Siehst du nicht? Vorsicht - eine Stolperstelle des Textes. Jesus war mit den Seinen unterwegs. Die frommen Schriftgelehrten aber wohl zu Hause oder in der Synagoge. Sie feiern mit der Familie den Sabbat. Weshalb erzählt Marcus also hier von ihnen?
Jesus antwortet in gewohnter Weise souverän mit einer Begebenheit, die alle gelehrten Pharisäer bestens kannten. Schaubrote, von denen nur die Priester essen durften, nahm der junge David, damals noch nicht König und vor Saul auf der Flucht. Er sättigte damit sich + seine Soldaten. Christus, der Gesalbte aus dem Geschlecht Davids folgert: „Der Sabbat mit seinen Gesetzen ist für Menschen gemacht und nicht der Mensch für den Sabbat“.
Für unsere jüdischen Geschwister ist das Einhalten der Sabbatgebote ein unverzichtbares Zeichen ihrer Identität. Die junge neue Religion der Christen formte sich damals noch. Erzählt Marcus hier vom Sabbat + den fragenden Pharisäern, um von Herrlichkeit des Christus zu predigen?
Die Basisbibel übersetzt mit der Überschrift „Hunger stillen, auch am Sabbat“ und endet: „Also kann der Menschensohn bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist“. Nochmals wird Marcus Motivation deutlich. Er verkündigt überzeugt und mit Mitteln der damaligen Erzählweise den vollmächtigen Messias.
Unser Bruder Jesus Christus will unser Bestes. Das beinhaltet, dass wir Menschenkinder, egal ob Sabbat oder Sonntag, immer etwas zu kauen haben. Und das ganz gemäß der Bitte des VATER UNSER: Gib uns heute unser täglich Brot. Hungern und dursten sollen wir nicht, auch nicht, wenn wir uns Nachfolge rufen lassen Was wir täglich brauchen, soll da sein. Am Ruhetag darf es sogar etwas mehr sein. Nicht nur der Sonntagschmaus, nicht nur geschenkte Zeit mit unseren Lieben, sondern und vor allen das Wort unseres Gottes. Das muss durchgekaut sein. Das ist Zuweilen echt herausfordert und für mein Verständnis manchmal zu groß ist. Suchet der Stadt Bestes, liebet eure Feinde, seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das durchkauen, besonders am Ruhetag, bis wir den süßen Brei an Leib und Seele schmecken und spüren. Und weiterkauen bis diese Worte uns erreichen: Ihr werdet in Frieden leben, wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr zu meinen Kindern! Fernab von Mühsal und Anstrengung des Alltags erreichen mich solche Forderungen und Versprechen eher. Dabei zu Fuß unterwegs in der Sonne pausieren durchaus hilfreich. Wir müssen nicht immer solch große Gedanken bewegen. Die wunderbare Bitte DEIN REICH KOMME, wiederholt gemurmelt schenkt auch Gottvertrauen. Und seufzen wir nicht mit den Schriftgelehrten der damaligen Zeit bis heute.
Den dritten und letzten Teil der Predigt poste ich morgen!