5. November 2026

Predigt zum Sabbat - dritter und letzter Teil

Dritter und letzter Teil von Elkes Predigt zum Sabbat. Die beiden Abschnitte habe ich gestern und vorgestern hier gepostet.

Ich setzte mich selten mit der Frage auseinander, wonach ich hungere. Dazu geht es mir wohl zu gut. Trotzdem kommt mir schnell in den Sinn, was mir fehlt. Und damit finde ich mich ganz im Kreis gleichgesinnter. Ständiges Klagen scheint mir ein übergroßer Teil unseres Lebens zu sein. Dabei ist Sonntags- wie Sabbatgebot die Hinwendung zu unserem Gott. Höre ich intensiv und genau, spüre ich mehr als dankbar: Was habe ich alles. Was darf ich genießen! Jetzt im Herbst, auch meines Lebens, vielfältige Ernte, Zeit für mich und andere, Gtd mit +wunderbare Musik genießen, Enkelkinder verwöhnen, gelassen eine Predigt wachsen lassen, weil sie immer noch rechtzeitig fertig wird. Und das alles bei ausreichender Rente in einem friedlichen Land. Gott sei Dank. Ja, selbst in den dunklen Tagen, z. B. wenn ich einen geliebten Menschen loslassen muss, bleibt mein Vertrauen: Siehe, ich mache alles neu. Krieg, Leid, Krankheit, Schmerz, Tränen und Tod werden nicht mehr sein. Gottes Reich kommt.

Selten, viel zu selten kaue ich das genüsslich durch und komme so nicht in den Genuss der Süße dieser Botschaft. Sonntags- wie Sabbatgebot, dem entgegen zu wirken. Pharisäer prozierten Jesu im scheinbaren Aufmerksam machen gegen den Sabbatverstoß. Und wir Kirchgänger, haben wir vielleicht ein verzerrtes, sogar judenfeindliches Sabbatverständnis? („was die alles beachten mussten/müssen!“) Einen Tag in der Woche in Ruhe ohne Smartphone unterwegs – 2000 Jahre nach Chr. Therapeutisch teuer empfohlen, ganz modern, durchaus christusgemäß.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das böse mit Gutem. Gebot und Wort für die Woche Bestimmt nicht so ganz einfach. Erst einmal fordert Gott ziemlich unattraktives. Überwinde, steh im Weg, sei sicht- und hörbar. Ja, Christlicher Glaube kostet Engagement unser ganzes Leben lang. Am Erfolg brauchen wir uns Gott sei Dank nicht messen. Niemand von uns kann alle Gebote einhalten. Aber immer öfter nicht mit dem Finger zeigen auf die, die so anders sind, die mich mit ihren Lebenseinstellungen nerven. Solche Lebenshaltung will ich einüben. Mit Christus heilender Nähe, von Markus in den vorangegangenen Kapiteln ausführlich erzählt, wird das mehr und mehr gelingen. Der Kreuzestod besiegelt die Endgültigkeit unserer Erlösung. „Wer kann die Menschheit so sanft bezwingen, wer kann die Seele so leicht entrücken, wer kann die Sinne so erleuchten wie du Gott, der alles erschaffen hat. Du wirkst an uns wunderbare Tat“. Sollte da nicht gelingen, selbst meinen Feind zu lieben?

Wenn ich am Sonntag als alter Mensch vielleicht allein bin, weil Kinder und Enkel eben auch mal Ruhe brauchen, möchte ich schweigen und hören, meines Herzens Ohr zu Gott neigen und den Frieden suchen. Und wenn du merkst, dass es dein Leben ist, dass du vermisst – sei willkommen. nach @ S. Grudert Sei willkommen, dich selbst zu entdecken, wieder neu zu bemerken, was LEBEN für DICH bedeutet und DICH selbst zu spüren, hier und jetzt, in deinem Körper, in deinem Alleinsein, mit DIR auf deinem Weg zu unserem GOTT. Sei willkommen und sing, egal, ob Sabbat, Sonntag oder Alltag, ein HALLELUJA zu seiner Ehre. Gottgewollt wird sich dann Dank und Wahrnehmen von Bedürftigkeit und miteinander Teilen einstellen. Sein Heiliger Geist ist mit uns. 

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alles, was wir denken, bewahrt unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Herrn und Bruder. Amen 

Danke, liebe Elke! 

Morgen treffe ich mich mit Referent:innen, die im nächsten Jahr unsere neue Serie von Online-Abenden zu unterschiedlichen texten von Dietrich Bonhoeffer gestalten werden. Dazu dann morgen mehr.

4. November 2026

Predigt zum Sabbat - Teil 2

Den ersten Teil von Elkes Predigt zur Frage ob man am Sabbat Menschen helfen darf, ihren Hunger zu stillen aus dem Markusevangelium (Kapitel 2) habe ich gestern gepostet.

Anliegen des Evangelisten Marcus ist die Christusverkündigung. Und er ruft zur Kreuzesnachfolge auf. Er denkt und schreibt im Schatten der Ereignisse des Jahres 70, der Tempelzerstörung in Jerusalem. Das Volk Israel am Abgrund. Existenzen vernichtet. Heimat verloren. In Frage gestellter verzweifelter Glaube? Die noch junge Christenheit lebt ganz in der Naherwartung des Heilands. Juden und Christen - auf Identitätssuche und sich gegenseitig bereichernd? Marcus rechnet auch mit einem Lesepublikum außerhalb Palästinas, was also eher „heidenchristlich“ geprägt ist.

Nun erzählt er von Jesu Jüngern, die laut Lutherübersetzung am Sabbat Ähren raufen. Wer kann sich heut noch vorstellen, von den Ähren eines Feldes zu essen? Die älteren kennen vielleicht noch den „Getreidekaugummi“? Die Körner einer Ähre abziehen, sie in den Handflächen reiben, so dass sich die Spelzen lösen, und ganz leicht hineinpusten. Dann fliegen die Hüllen weg und die übriggebliebenen Körner kann man kauen. Wer das lang genug macht, hat eine Art Kaugummi im Mund. Kinder erforschen das gern. Die Jünger hatten offensichtlich Hunger und nun doch wenigstens etwas zu beißen, sozusagen von der Hand in den Mund. Wir haben uns mit dem Erntedanklied noch einmal an Gottes großartige Schöpfung und seine Fürsorge erinnert.

Die Regeln für den Sabbat hatten auch für Jesus einen tiefen Sinn – z. B. dass man zu Fuß, also ohne Zugtiere, die selbstverständlich auch ruhen dürfen, unterwegs ist. Zeit für Begegnung mit der Familie und Gott ebenso wichtig. Heute ist solche Entschleunigung durchaus modern. Ähren raufen die Jünger, ernten keineswegs volle Körbe. Mundraub am Sabbat um satt zu werden – damals durchaus kein Verbot. Von hungernden Jüngern erzählt Marcus, die ihrem Meister folgen. Spitzfindig zeigen die Pharisäer mit den Fingern auf die, die sich zur Nachfolge rufen lassen. Fromme Schriftgelehrte fragen Jesus provokant: Siehst du nicht? Vorsicht - eine Stolperstelle des Textes. Jesus war mit den Seinen unterwegs. Die frommen Schriftgelehrten aber wohl zu Hause oder in der Synagoge. Sie feiern mit der Familie den Sabbat. Weshalb erzählt Marcus also hier von ihnen?

Jesus antwortet in gewohnter Weise souverän mit einer Begebenheit, die alle gelehrten Pharisäer bestens kannten. Schaubrote, von denen nur die Priester essen durften, nahm der junge David, damals noch nicht König und vor Saul auf der Flucht. Er sättigte damit sich + seine Soldaten. Christus, der Gesalbte aus dem Geschlecht Davids folgert: „Der Sabbat mit seinen Gesetzen ist für Menschen gemacht und nicht der Mensch für den Sabbat“.

Für unsere jüdischen Geschwister ist das Einhalten der Sabbatgebote ein unverzichtbares Zeichen ihrer Identität. Die junge neue Religion der Christen formte sich damals noch. Erzählt Marcus hier vom Sabbat + den fragenden Pharisäern, um von Herrlichkeit des Christus zu predigen?

Die Basisbibel übersetzt mit der Überschrift „Hunger stillen, auch am Sabbat“ und endet: „Also kann der Menschensohn bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist“. Nochmals wird Marcus Motivation deutlich. Er verkündigt überzeugt und mit Mitteln der damaligen Erzählweise den vollmächtigen Messias.

Unser Bruder Jesus Christus will unser Bestes. Das beinhaltet, dass wir Menschenkinder, egal ob Sabbat oder Sonntag, immer etwas zu kauen haben. Und das ganz gemäß der Bitte des VATER UNSER: Gib uns heute unser täglich Brot. Hungern und dursten sollen wir nicht, auch nicht, wenn wir uns Nachfolge rufen lassen Was wir täglich brauchen, soll da sein. Am Ruhetag darf es sogar etwas mehr sein. Nicht nur der Sonntagschmaus, nicht nur geschenkte Zeit mit unseren Lieben, sondern und vor allen das Wort unseres Gottes. Das muss durchgekaut sein. Das ist Zuweilen echt herausfordert und für mein Verständnis manchmal zu groß ist. Suchet der Stadt Bestes, liebet eure Feinde, seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das durchkauen, besonders am Ruhetag, bis wir den süßen Brei an Leib und Seele schmecken und spüren. Und weiterkauen bis diese Worte uns erreichen: Ihr werdet in Frieden leben, wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr zu meinen Kindern! Fernab von Mühsal und Anstrengung des Alltags erreichen mich solche Forderungen und Versprechen eher. Dabei zu Fuß unterwegs in der Sonne pausieren durchaus hilfreich. Wir müssen nicht immer solch große Gedanken bewegen. Die wunderbare Bitte DEIN REICH KOMME, wiederholt gemurmelt schenkt auch Gottvertrauen. Und seufzen wir nicht mit den Schriftgelehrten der damaligen Zeit bis heute. 

Den dritten und letzten Teil der Predigt poste ich morgen! 

3. November 2026

Predigt zum Sabbat - Teil 1

Elke, eine Prädikantin aus Lemgo hat uns mal wieder eine Predigt geschenkt, die ich in drei Teilen auf unsren Bibeldialogs-Blog stelle, bevor es mit der Vorstellung unserer Veranstaltungen weitergeht.

Gnade und Friede ist mit uns, von dem, der war, der ist und der kommt. Amen Mit diesem Gruß am Anfang der Predigt erinnern wir uns bewusst an Jesus Christus und seine Botschaft. Menschen seiner Zeit haben ihn erlebt, Menschen unserer Zeit erleben ihn als lebendigen Gottessohn und hoffen auf seine Wiederkehr. Siehe, ich mache alles neu, so das Leitwort unseres Jahres. Wir feiern SONNTAG – österliche Begegnung mit dem Heiland und ein Aufmerksamkeitstag, herausgelöst aus dem anstrengenden Alltag.

Ich lese uns den Predigttext aus der Basisbibel, Markus 2 - Hunger stillen auch am Sabbat

23An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Unterwegs rissen seine Jünger Ähren von den Halmen. 24Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Sieh doch, was deine Jünger tun! Das ist am Sabbat verboten.« 25Er antwortete: »Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat? Er und seine Männer waren in einer Notlage und hatten Hunger. 26 – Der Hohepriester war damals Abjatar. Da ging David in das Haus Gottes und aß die Schaubrote, obwohl es verboten war. Nur die Priester durften davon essen. Aber er gab sogar seinen Männern von den Broten.« 27Jesus sagte zu den Pharisäern: »Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht, nicht den Menschen für den Sabbat. 28Also kann der Menschensohn bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist.«

Neu in unserem Predigttext nun der Umgang mit dem Sabbat, dem Ruhetag des jüdischen Volkes. Genaue Vorschriften und deren Einhaltung prägen diesen Tag. Auf eine kurze Formel gebracht: keine Arbeit, die nicht genauso gut gestern oder morgen Platz hätte und Hinwendung zum großen heiligen Gott. Verstehen wir Christen unseren Sonntag nicht ähnlich? Sonntag - ein arbeitsfreier Ruhetag und sogar Teil des wohlverdienten Wochenendes. Doch wenn irgendwo ein verkaufsoffener Sonntag ist, gehen viele gern hin. Übervoll war die Stadt am vergangenen Sonntag, Bruchmarkt und geöffnete Geschäfte! So werden immer wieder freie Sonntage und auch kirchliche Feiertage „angenagt“, z. B. Buß- und Bettag oder Reformationstag - früher Feiertage. Über die selbstverständlich nötigen Arbeiten in Pflege und Sicherheit hinaus versuchen Geschäfte und auch Firmen das Sonntagsgebot zu umgehen bzw. zu dehnen. Arbeitsschichten bis in den Sonntagvormittag hinein und sportliche Veranstaltungen zu besten Gottesdienstzeiten. So bedeutet Profit nicht Wohl des Menschen. Jesus Worte heute: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Wirtschaft.

Morgen folgt hier der zweite Teil. Ich kann ja nicht jeden Tag so lange Posts einstellen wie gestern.

 

2. November 2026

European Youth Workshop - No Right to Obedience!

From October 23 to 27, young people from Ireland, Spain, Azerbaijan, Hungary, Ukraine and Germany came together in Berlin to discuss when and how we need to follow orders or refuse to do so. It had a lot to do with what our conscience and our common sense tell us to do. Sometimes, following ones conscience and /or one's faith in a loving God may lead to danger, even death, as we could learn when we visited Plötzensee. 

We began the day with our morning meditation in the very room where more than 1400 prisoners were beheaded or hanged by the brutal justice system of Nazi-Germany. A tough place to pray or sing, but we did sing in Hebrew how "good and lovely it is when people get together in unison". After this we went on to the "Plötzensee Memorial Center" where Michael Maillard welcomed us with tea, coffee and water. Letting the horrors behind us for some time, while we took a good look at what the Bible has to say about obedience or rather about following God rather than people, especially when people clearly have their own, often bad agenda. We heard about two midwives who went against their orders to kill male babies and that one is supposed to obey God rather than people. This was only Bible study part one. Our group was mixed in terms of denomination and religion. 

A real highlight was to look at the famous Dance of Death in the Memorial Church, as Michael Maillard gave lots of information on this remarkable piece or art, actually 12 pieces of art by the Austrian artist Alfred Hrdlicka who never wanted to show the nicer sides of the world because the dark and ugly sides are often so dominant. Only one of the paintings hat a modest light to it, showing people sharing bread even in the face of their own death.  

Much brighter but no less sinister was the last of the three stops that day: the Carmelite Convent Regina Martyrum.  The open space around the church reminded in Prison court yards, the Church itself, in all its concrete and straight walls of a huge prison cell. But Sister Mechthild was so filled with her love of God and showed us the symbols or light and hope in the huge altar painting.

This post is already way to long, so in brief: we discussed the Jewish perspective on obedience to God and Holy law with Rabbi Ulrike Offenberg and learned that while absolute obedience to God is a must, this doesn't mean one cannot interpret the law to be kinder and more forgiving that it seemed at first glace. 

How we react when it is not necessarily a question of life and death but none the less rules and regulation go against our wish to be helpful and kind to our fellow human beings,  was our Monday morning complete with case study and Moot court. 

And again last but definitely not least the European evening with the presentations on every country represented in our group.  Yes, we will do this again. Next year. 

14. Oktober 2026

European Bible Dialogues - on a hard topic: Femicide

  *** Wenn Sie eine deutsche Übersetzung dieses Post wünschen, schreiben Sie mir bitte eine Mail an: hahn@eaberlin.de

We have launched a new series on the topic of 'Gender Roles in Church and Society’. At the first in-person conference this year in April, participants at the event identified the issue of violence against women as particularly important. This remains one of the most pervasive human rights violations worldwide, with femicide representing its most extreme and deadly form. How can theology help us understand, confront, and resist this reality? 

This is why the topic will be covered at the Protestant Academie Berlin twice this fall:

First, this very evening: ‘Between Shock and Resistance’ – as part of the series ‘Female Times! 100th anniversary of the World Day of Prayer' with these panellists:
economist Shynet Chivasa (Lupane State University, Zimbabwe), theologian Katharina von Kellenbach (most recently at the University of Paderborn), and Daniela Stiftel-Völker, a board member of the Evangelical Women’s Aid Organisation in Westphalia.
Simultaneous translation into English will be available on request (hoffmann@eaberlin.de).

And then once more on November 27th as part of our series ‘Gender Roles in Church and Society’ in the form of an online Bible dialogue. Our topic will be the bitter reality of "Femicide" and we aim for a feminist-theological perspective on violence against women.  

Drawing on the biblical conviction that every human being is created in the image of God (Genesis 1:27), this online event explores femicide through a feminist-theological lens. Together, we will examine the intersections of gender, power, violence, and faith, while engaging biblical traditions that challenge injustice and give voice to those who suffer. Inspired by the prophetic call to “seek justice, rescue the oppressed” (Isaiah 1:17), we will reflect on the responsibility of faith communities in addressing violence against women.

Join us for an evening of critical reflection, meaningful dialogue, and shared commitment to dignity, justice, and hope in the face of gender-based violence. 
With: Prof. Marcia Blasi, Associate Professor of Systematic Theology Systematic Theology at Faculdades EST, in São Leopoldo/RS, Brazil, Jāna Jēruma-Grīnberga, Bishop Emerita, Lutheran Church in Great Britain, Pastor of the Latvian Evangelical Lutheran Church Worldwide, and Dr. Kinga Szücs, Lutheran Theological University Budapest.

This evening will be in English, but on request we can offer interpretation to German. You can e-Mail me if you wish to know more: hahn@eaberlin.de 







13. Oktober 2026

Weiter geht es online - Ein neues Projekt der Europäischen Bibeldialoge

 Ich bin nur noch etwas mehr als ein Jahr im Dienst, warum also auf die letzten Meter noch neue Projekte? Zum einen schon, weil ich (ganz egoistisch) ein reines Abwickeln meiner Arbeit, die mir über 30 Jahre wichtig geworden ist,  schlecht ertragen könnte. 😎 Zum anderen habe ich in diesen drei Jahrzehnten so viele engagierte Christenmenschen kennenlernen durfte, weil ich auch soviel Interesse an diesem unglaublich bereichernden Buch, der Bibel begegnet bin, dass es gar nicht anders geht als zu versuchen, etwas weiterzugeben. Nun, all das kann es auch ohne eine Studienleitung für Europäische Bibeldialoge geben. Wenn es Segen hat, kann es gedeihen - auch ohne Stellenplan und finanzielle Zuschüsse. Immer wieder wird Menschen deutlich, was uns diese uralten Texte bis in unsere Zeit heute zu sagen haben. 

So kamen auch immer wieder Themen rund um Dietrich Bonhoeffer in mein Sichtfeld:  Was prägte Dietrich Bonhoeffer, einen der bekanntesten Theologen und Widerstandskämpfer des 20. Jahrhunderts? Welche Rolle spielten sein Umfeld, sein Vertrauen in Gott und internationale Begegnungen für ihn – und was können wir für uns heute daraus lernen?

In Zusammenarbeit mit dem Bonhoeffer-Haus in Berlin, dem historischen Ort Bonhoeffers Denkens und Handelns, werfen wir einen Blick auf das, was sein Leben beeinflusst hat. Gemeinsam entdecken wir, wie daraus Haltung und der verantwortungsvolle Einsatz für Andere gewachsen sind. Was uns für unsere Gesellschaft, unseren Alltag einiges mitgeben kann.  

Dieser erste Abend am 12. November 2026 zum Thema "Familie, Glaube und Ökumene" bildet den Auftakt unserer neuen Online-Reihe (2027) zu Dietrich Bonhoeffer für alle, die sich für Theologie, Zeitgeschichte und die Frage nach verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft interessieren.

Referent ist für den ersten Abend Arno Helwig, Leiter und Geschäftsführer des Bonhoeffer-Hauses.

10. Oktober 2026

Europäische Bibeldialoge - online

Wie gestern versprochen heute ein Überblick zu unseren Online-Veranstaltungen.

Gestern und Vorgestern hatten wir zwei sehr eindrucksvolle Abende mit Rabbiner Walter Rothschild und dem evangelischen Theologen Holger Schmidtke. Und nein, wir haben das nicht aufgezeichnet und es wird also auch nicht in der Mediathek erscheinen, denn oft schwindet die Spontaneität wenn Menschen wissen, sie werden aufgezeichnet. Dass es keine dummen Fragen gibt, erfährt man ja nur, wenn man eine Frage stellt. Auch und gerade im jüdisch-christlichen Dialog gibt es jede Menge Vermutungen anstelle echten Wissens, und so ist es gut, diese beiden Theologen alles fragen zu können. So verfahren die Situation in Israel und Palästina auch ist, es ist Wichtung zu begreifen, was die zunehmende Judenfeindlichkeit in unserem Land mit unseren jüdischen Mitbürger:innen macht und was der Staat Israel für sie bedeutet. Unser Thema war die Auserwählung, also der Bund Gottes mit ... ja mit wem eigentlich und mit wem nicht? 

Wir planen weitere Abende mit Holger und Walter in 2027.

Online gab es natürlich fast jeden Monat einen Abend mit dem Motto "Frag doch mal" zu aktuellen Glaubensfragen und damit dieser Post nicht wieder so lang wird wie der gestern nur noch die herzliche Einladung für kommenden Montag: Weisheit, Gefährtin Gottes – Evangelische Akademie zu Berlin.Wer von dieser Reihe - wieder mit Holger Schmidtke noch nichts weiß: nach einem meist kurzen Impuls geht es schnell ins Fragen und Diskutieren mit den Teilnehmer:innen. Insgesamt von 18:30 bis 20:30 Uhr.   Bis Montagmittag kann man sich noch anmelden, um den Zoomlink zu bekommen. 

Nächste Woche will ich weiter posten. Auch zu weiteren Online-Abenden, denn obwohl die Bibeldialoge eigentlich ihrem Ende entgegengehen, haben wir auch noch ein paar neue Projekte begonnen. Dazu aber nächste Woche mehr. 

Ach ja, ehe ich es vergesse: Wer morgen ab 10 Uhr den Online-Gottesdienst im Berliner erleben möchte: Gottesdienstübertragung aus dem Berliner Dom | Berliner Dom

Alles Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Wochenende

Eure/Ihre Tamara




9. Oktober 2026

Europäische Bibeldialoge - gibt es noch

Guten Morgen - nach langem Schweigen.

Entweder es ist gerade mal ruhig bei mir im Bibeldialogsbüro - dann habe ich nicht viel zu erzählen, was nicht auch auf der Website der Evangelischen Akademie zu finden wäre, oder es ist richtig was zu tun, dann komme ich nicht zum Bloggen.

Dabei war ja seit Mai richtig viel los.

Neben den online-Abenden - zu denen komme ich morgen noch - waren wir an etlichen Orten auf ganz präsent mit Bibeldialogen.

 vom 3.-6. Juli 2026 waren wir gleichzeitig mit zwei Bibeldialogen in Lutherstand Wittenberg. Beide Tagungen wollen wir in 2027 dort wieder veranstalten, weil es in der Stadt und in der Leucorea wirklich  schön war. Und Wittenberg ist immer auch eine zusätzliche Arbeitseinheit, wie ein besonders immersiver Vortrag.

Schon bald danach, vom 15.-19. Juli waren die Bibeldialoge dann mal wieder in Siebenbürgen, genauer im Elimheim in Cisnădioara/Michelsberg. Und auch da wollen wir in 2027 wieder hin - weil es dort schön ist, aber auch wegen der guten, lieben Freunde und Freundinnen, die wir dort über die Jahre kennenlernen durften. Wir sind dort zu Gast bei der im Lande gebliebenen deutschen Minderheit.

Danach hätte ich ja endlich Zeit gehabt, zu bloggen, habe aber lieber Urlaub gemacht und das Edinburgh Fringe Festival in vollen Zügen (bzw. vollen Straßen) genossen. 

Vom 27. bis 31. August waren die Bibeldialoge dann in Wroclaw/Breslau. So entspannt und theatererfüllt hatte ich nicht aufgepasst und so war dieser Bibeldialog aus allen Nähten geplatzt und nicht immer haben wir uns ausreichend methodisch auf die viel größere Gruppe eingestellt. Dennoch kam auch hier so viel positives Feedback (neben konstruktiver Kritik)  bei uns an, dass wir nächstes auch wieder dort tagen wollen. 

Und es kommen dieses Jahr noch zwei Bibeldialoge, die wir sogar in Berlin veranstalten werden. Bei beiden ist auch noch ein bisschen Platz.

Nur noch ein Zimmer ist frei beim internationalen Jugendworkshop "Kein Recht auf Gehorsam!" für junge Menschen ab 16 Jahren. Mehr Plätze höchstens für Berliner:innen, denn wir haben nicht genug Zimmer bekommen. Dafür ist die Teilnahme ohne Zimmer immerhin  gratis. 

Und im Berliner Dom - wohl auch eher nur was für Berliner:innen, da man für 2 Stunden ja nicht weit reisen will - etwas zu gewaltfreier Kommunikation als Möglichkeit, Räume zu gestalten: Räume öffnen – Evangelische Akademie zu Berlin

So, das war ein langer Post. Morgen geht es weiter mit Online-Bibeldialogen.

Es grüßt Euch/Sie
Tamara

20. Mai 2026

Predigt zum Buch Ester (Teil 3)

Heute der letzte Teil von Elkes Predigt. Elke ist Prädikantin in Lemgo und ich bin ihr sehr dankbar für ihre Predigten, nicht nur für den Blog. 

"Unsere schöne Esher, trauernd über jüdische verlorene Feiertage, die im Exil natürlich nicht gefeiert werden durften. Inmitten der Götzenbilder der anderen hat sie den vertrauten Psalm nicht vergessen. Sehnt der mächtige König sie herbei, weil er plötzlich die Nähe ihres und nachösterlich unseres Gottes spürt? Die jungen Männer aus dem eigenen Volk dichten ihr zur Freude Lieder und schnitzen sie in die Haremssäulen. Leider auch alles Judenprogrom? Doch plötzlich ist er da, unser Gott, ungenannt, aber spürbar und doch kaum vorstellbar. Und meist nicht zu erahnen, was er alles bewirken kann und wird.  
Gibt Mordechai Esther seine Überzeugung zu verstehen, dass hinter dem Geschehen das verborgene Handeln Gottes liegt? Ja, Gott steht zu seinem Volk und plant entgegen allem Unrecht schon den Heilsweg, auch die Befreiung aus dem Exil. Ist vielleicht auch Esthers Aufstieg zur Königin ein von Gott gelenkter, wichtiger Schritt zur Rettung des jüdischen Volkes vor seinen Feinden?                                       

Dann bedarf es aber Esthers scheinbar verrückten Entscheidung, Gott bedingungslos zu vertrauen.  
Die Frage ist, wie das Rettungshandeln Gottes in der Geschichte und in jeder unserer Geschichten Raum greifen kann. Ich persönlich musste mich schmerzhaft Auseinandersetzen mit erlittenem Unrecht und mühsam annähern an mögliche Vergebung. Oft mit dem lauten Ruf: Gott warum und wo bist du? Leise + zögernd bete ich mit Worten D. Bonhoeffers: Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.    Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.                                                                                        

Alle Dinge Gott? Wie schwer das ist, haben uns gestern Teilnehmer des Bibelgesprächsfrühstücks betroffen erzählten. Esthers Kraft, die Nähe des nicht geliebten Königs zuzulassen, finde ich beachtlich. Ebenso ihren Mut, nach Mordechais Warnung den König vor dem bevorstehenden Attentat zu warnen.                                                                  
Und es bleibt mein Groll, mein Zweifel und meine drängende Frage an Gott: wieviel Opfer, nicht zuletzt  das deines geliebten Sohnes, kostet es zu welchem Preis?                                                                                                                                                                                            
Wer jetzt grübelt und verwirrt ist: spätestens jetzt nachlesen im Buch Ester in der Bibel:
https://www.die-bibel.de/ressourcen/bibelkunde/bibelkunde-at/ester-est

Danke, liebe Elke!

 



19. Mai 2026

Predigt zum Buch Esther (Teil 2)

 Heute der zweite Teil von Elkes Predigt: 

Klingt das Folgende nun endlich wie ein Märchen aus 1001 Nacht? „Schließlich war Esther an der Reihe. Sie wollte nichts mitnehmen, außer wozu ihr die Aufsicht, ein Verwandter, geraten hatte. Nun gewann Esther die Zuneigung aller, die sie sahen. Als Esther in den Palast geholt wurde, regierte der König bereits sieben Jahre“. Und klar - märchenhaft entwickelte er eine Vorliebe für sie. „Er liebte sie mehr als alle anderen Jungfrauen und sie gewann seine Zuneigung. Daher setzte er Esther die Krone auf und machte sie so zur Königin. Er gab ein großes Fest ihr zu Ehren für seine hohen Beamten und Diener. Für die Provinzen gewährte er Steuererlass.  Und er verteilte Geschenke, wie es für einen König üblich war“.

Eine Frage der Schönheit! Liebe Gemeinde, wer legt die Definition für Schönheit fest? Misswahlen heutzutage haben keine Vorbereitung im Harem, wohl aber zumeist ungesunde Ernährung, ein festgelegtes Erscheinungsbild und etliches wohl nicht besonders erstrebenwertes. Magersucht z. B. ist lebensgefährlich. Tonnenweise Creme und Kosmetika, dafür sterben Tiere.

Innere Schönheit, also die Liebe zum anderen, die, nach außen, strahlende Zufriedenheit, das sich von Gott geliebt wissen, ein versöhntes Leben trotz aller Schwierigkeiten - wo steht das auf welcher Skala? Und Jungfrauen, weshalb eigentlich? Zur weiteren Schönheitspflege für die Frau äußere ich mich lieber erst gar nicht. Deshalb sagte ich zu Anfang: fast ein Märchen aus 1001 Nacht.

Heute brutale zunehmende Wirklichkeit: Missbrauchsverbrechen in öffentlichen Institutionen, auch in Kirche, im prominennten Umfeld, in der Politik und auch in mancher Familie. Gottlob - landauf und landab heute bekannt, benannt und bestraft. Natürlich darf sich jedes Mädchen, jede Frau schön machen. Sexualität ist von Gott geschenkt und ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Aber bitte nicht gottlos und ohne Verantwortung dem anderen gegenüber, schon gar nicht mit Abhängigen, erst recht nicht mit zu jungen Mädchen oder gar Kindern. Sonst wird aus einem Märchen aus 1001 Nacht die Verzweiflung unzähliger Opfer mit lebenslanger Verletzung. Gesetzgeber, Mensch und Gott, schaut genau hin.

Weshalb erzählt die Bibel die Esthergeschichte und erwähnt unseren Gott im ganzen Kapitel kein einziges Mal mit Namen? Vielleicht hilft uns ein Gedicht von der Jüdin Else Lasker Schüler:

Esther ist schlank wie die Feldpalme, 
nach ihren Lippen duften die Weizenhalme 
und die Feiertage, die in Juda fallen.

Nachts ruht ihr Herz auf einem Psalme, 
die Götzen lauschen in den Hallen.

Der König lächelt ihrem Nahen entgegen – 
denn überall blickt Gott auf Esther.

Die jungen Juden dichten Lieder an die Schwester, 
die sie in Säulen ihres Vorraums prägen.

Unsere schöne Esher, trauernd über jüdische verlorene Feiertage, die im Exil natürlich nicht gefeiert werden durften. Inmitten der Götzenbilder der anderen hat sie den vertrauten Psalm nicht vergessen. Sehnt der mächtige König sie herbei, weil er plötzlich die Nähe ihres und nachösterlich unseres Gottes spürt? Die jungen Männer aus dem eigenen Volk dichten ihr zur Freude Lieder und schnitzen sie in die Haremssäulen. Leider auch alles Judenprogrom? Doch plötzlich ist er da, unser Gott, ungenannt, aber spürbar und doch kaum vorstellbar. Und meist nicht zu erahnen, was er alles bewirken kann und wird.  

Morgen der Abschluss.