18. Mai 2026

Predigt zum Buch Esther (Teil 1)

Schon wieder ist ein Monat um und ich habe die meisten Blog-Versprechen nicht gehalten. Im April war aber auch viel los und dann Himmelfahrt und nächste Woche ist schon wieder Pfingsten. Aber dazu mehr am Donnerstag. 

Ich hätte längst berichten sollen von unserer Frauentagung: Wissen Wagen, einer Begegnung mit feministischer Theologie.  Aber verpasst ist verpasst. Heute, und bis Mittwoch erstmal wieder eine Predigt  von Elke aus Lemgo in 3 Teilen. Man kann hier auch ganz gut nachvollziehen, warum es sinnvoll sein könnte, die Bibel auch mit einem feministischen Blick zu betrachten: Das Buch Ester... ist "fast, aber nur fast, ein Märchen aus 1001 Nacht. Der König braucht eine neue Frau. Zuvor hatte er seine Königin Waschti davongejagt, als diese sich weigerte in voller Schönheit zu glänzen. In voller Schönheit, das bedeutete nichts anderes als nackt, nur mit einem funkelnden Diadem im Haar. So sollte sie sich dem König, seinem Hof und dem ganzen Volk präsentieren. Ich mag mir die Geräuschkulisse kaum vorstellen. Waschti weigerte sich. Damit kratze sie am Selbstverständnis des Hofes genauso wie am damaligen Frauenbild. Das durfte keinesfalls Schule machen. Also musste Waschti ersetzt werden. 
Was nun folgt, ist auch nicht märchenhaft. Bedienstete des Königs suchen in allen 127 Provinzen des Reiches, von Indien bis Ägypten, nach hübschen Jungfrauen. In der Stadt SUSA, dem Königssitz, sollten diese in den Harem des Palastes zur Schönheitspflege einziehen. Jungfrauen, junge unerfahrene Frauen, umgeben von Frauen, die für sie sorgen. Einflussreiche Männer, Eunuchen, führten an orientalischen Höfen im Harem die Aufsicht. Also kein ausschließlicher Frauenwohnort. Eifersüchteleien, Konkurrenz und Machtspielchen, vielleicht noch weit Schlimmeres, für meine Ohren vorprogrammiert. Sollte ein guter König nicht fürsorglich für sein Volk, egal ob Mann, Frau oder Kind sorgen? Gottlos und keinesfalls märchenhaft - so ein Palastleben.     

Und Folgerichtig, das Mädchen, welches dem König am besten gefiel, sollte neue Königin werden.   
Esther, die junge jüdische Waise und ihr Adoptivvater Mordechai, ihr Cousin, lebten in der Diaspora. Mordechai sogar in der Festung des Palastes zu Susa, demzufolge wohl Palastangestellter. Nach dem Tod von Esthers Eltern kümmerte er sich verantwortungsvoll um seine Nichte. Nun war sie zu einem jungen hübschen Mädchen mit guter Figur herangewachsen. Und Königsersuchen landauf und landab. Viele Mädchen zogen in den Harem der Festung ein, natürlich unter Aufsicht gestellt. So auch Esther. Diese fiel einem Aufseher auf. „Er entwickelte eine Vorliebe für sie und sorgte dafür, dass sie gutes Essen und eine besondere Schönheitspflege bekam. Außerdem stellte er ihr sieben Mädchen zur Seite, die er aus dem Haushalt des Königs auswählte. Er ließ sie alle zusammen im schönsten Raum wohnen, den es im Harem gab“. 

Mordechai sorgte sich. Er hatte Esther weitsichtig geraten, ihre jüdische Identität nicht preiszugeben. Täglich schaute er vorbei, weil er wissen wollte, was man mit ihr machte. Welche Beziehung er zu Gott pflegte, bleibt ungesagt, ist aber zu erahnen. Und Gottes Weitsicht, auch unter schlechten Bedingungen im Exil, wie die Treue zu seinem Volk deuten sich durchaus an.  

Der Countdown zur Königinnenwahl läuft. Ein junges Mädchen nach dem anderen war an der Reihe, zum König hineinzugehen. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung für jede Frau. Ausgiebige Schönheitspflege vorgeschrieben: 12 Monate eine Behandlung mit Öl und Balsam. Dazu kamen noch weitere Schönheitsmittel für Frauen. Dann erst durften die Mädchen zum König hineingehen. 


Kritische Fragen: 
Meint weitere Schönheitsmittel für Frauen „niemals Widerspruch gegen den Hof + Männergesellschaft? „Sie durften zum König gehen“, gleichzusetzen mit „sie mussten sich ihm ungefragt hingen?“                    
Was erleben und fühlen die Mädchen in dieser sogenannten Vorbereitungszeit? Welche Erwartungen oder Ängste haben sie so fern von allem Vertrauten?                                                                                                                       
 Darüber lesen Sie dann morgen  hier mehr.                                                                                                    

11. April 2026

Gottesdienst online und mehr im Berliner Dom

*** If you wish to read this post in English, please let me know: hahn@eaberlin.de.

Auf die sommerlichen Bibeldialoge müssen noch eine Weile warten, aber in den Berliner Dom können wir gleich morgen gehen – in Berlin oder digital. Und wer gerade in Berlin ist, kann schon heute von 18.00 – 19.00 Uhr im Berliner Dom die Stunde der Dommusik genießen, diesmal wieder als Choral Evensong nach anglikanischer Tradition mit dem English Choir Berlin

Am Sonntag dann wie gewohnt ab 10 Uhr der Gottesdienst mit Abendmahl auch  als Live-Übertragung auf https://www.berlinerdom.de/live. Es ist der Sonntag „Quasimodogeniti“

Was bedeutet Quasimodogeniti? Der lateinische Begriff stammt vom Eröffnungsgesang des ersten Sonntags nach Ostern, Quasi modo geniti infantes („Wie neugeborene Kinder“). Dieser Sonntag (Weißer Sonntag) symbolisiert das neue Leben durch die Auferstehung

Es predigt zu Gast der Landesbischof Dr. Oliver Schuegraf der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe. Durch die Liturgie führt uns Dompredigerin Christiane Münker.

Und wer wie ich nicht genau zu 10 Uhr live mit-streamen kann, findet die Gottesdienste auch noch später in der Mediathek des Berliner Doms.

Euch/Ihnen allen ein gesegnetes Wochenende

Ihre/Eure Tamara

10. April 2026

Mut und Versöhnung | Begegnungen mit der Bibel und mit Breslau

Wie kann Versöhnung wachsen – zwischen Menschen, zwischen Völkern und in uns selbst? Diese Begegnungstagung führt nach Breslau und Kreisau zu Orten der Erinnerung an die Shoah. Dialog, Geschichte und Glaube wirken zusammen, um Versöhnung heute aktiv zu gestalten.

Diese Tagung lädt ein, Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern ihr im Heute zu begegnen – mutig, hoffnungsvoll und mit dem Ziel der Versöhnung. Im Blick auf die Shoah, auf die europäische Verantwortung für den Frieden und auf aktuelle Herausforderungen in den einzelnen Ländern Europas verstehen wir Versöhnung dabei als einen fortdauernden Prozess.

Gemeinsam mit polnischen und deutschen Gesprächspartner*innen erkunden wir bedeutende Erinnerungsorte in Breslau: die Synagoge zum Weißen Storch im “Viertel der gegenseitigen Achtung”, den Jüdischen Friedhof und den Platz der Versöhnung. In Kreisau setzen wir uns mit den Hoffnungen und Plänen des Kreisauer Kreises für einen Neuanfang nach dem NS-Terror auseinander. In der Ausstellung „Mut und Versöhnung“ folgen wir den Spuren der deutsch-polnischen Beziehungen durch die Jahrzehnte.

Impulsreferate, Austausch in Kleingruppen und persönliche Begegnungen verbinden Geschichte, Gegenwart und Glauben. Ein besonderer Akzent liegt auf zivilgesellschaftlichem Engagement – unter anderem durch die Vorstellung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Es ist eine Einladung zum Innehalten, Erinnern und Weiterdenken – für alle, die Versöhnung nicht nur bedenken, sondern gestalten möchten.

Anmelden kann man sich noch bis zum 7. Juli, aber gerne früher, denn wir haben viel einiges zu planen, das an der Teilnehmendenzahl hängt. Mehr Infos und den Link zum Anmelden finden Sie hier: Mut und Versöhnung – Evangelische Akademie zu Berlin.

Und kommende Wochen, vom 15.-17. April 2026, werden wir dann Wissen wagen bei den feministisch-theologischen Begegnungstagen im Kloster Stift zum Heiligengrabe bei Berlin. Dazu dann am Montag mehr…

9. April 2026

Der Anderen Last | Begegnungen mit Siebenbürgen

 „Einer trage des anderen Last“, schreibt der Apostel Paulus (Gal.6,2a). Geht das überhaupt? Zu Gast bei der evangelischen Minderheit in Siebenbürgen wollen wir überlegen, wie Texte der Bibel uns helfen können, die Lasten unserer Gegenwart gemeinsam zu tragen. Jede und jeder trägt das eigene Päckchen auf den Schultern. Wie können wir da noch schauen, was unsere Nächsten brauchen? 

Neben intensiven Gesprächen zur Bibel und über den Alltag in unseren Ländern nehmen wir uns auch Zeit für die kulturellen Schätze Siebenbürgens. Auf dem Programm stehen Ausflüge nach Hermannstadt und zur Kirchenburg in Heltau. Spaziergänge zur Michelsberger Kirchenburg und zum jahrtausendealten Naturdenkmal “Halber Stein” sind ebenfalls möglich. Die Tagungssprache ist Deutsch.

Wer möchte, kann auf eigene Kosten eine Verlängerungsnacht im Elimheim buchen. Die Anreise bis Sibiu/Hermannstadt erfolgt in Eigenregie. Von dort werden Sie abgeholt.

Anmelden kann man sich noch bis zum 14. Juni, aber gerne früher, denn es gibt nur begrenzt viele Zimmer im  Elimheim in Michelsberg. Mehr Infos und den Link zum Anmelden finden Sie hier: …der Anderen Last – Evangelische Akademie zu Berlin.

Im August bin ich dann ein paar Wochen erstmal im Urlaub, aber am 27.8. geht es im polnischen Breslau weiter. Dazu mehr morgen…

8. April 2026

Tatort Wittenberg – Prädikant:innen-Begegnung in Wittenberg

Ein Bibeldialog für Ehrenamtliche in der Verkündigung über die Prediger der Reformation

In Wittenberg nahm die Reformation im 16. Jahrhundert bekanntlich richtig Fahrt auf, insbesondere durch profilierte Prediger. Wir begegnen Martin Luther und Philipp Melanchthon an ihren Wirkungsstätten und beleuchten ihr Denken und ihre bis heute anhaltende Bedeutung für unseren Glauben und die Tradiition der protestantischen Predigt.

Ehrenamtlichen Prediger*innen aus unterschiedlichen Landeskirchen verbringen drei Tage auf den Spuren der berühmten Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Sie besuchen originale Schauplätze und tauschen sich aus zu ihren eigenen Erfahrungen auf den Kanzeln des Landes.

Was bedeuten die Ideen der Reformation uns heute? Ein Gottesdienst in der Stadtkirche (der Hauptpredigtstätte Luthers), ein Spaziergang auf den Spuren Melanchthons sowie Zeit für weitere Sehenswürdigkeiten in Wittenberg sind eingeplant. Zeit für einen Besuch im Melanchthonhaus oder dem Augustinum sowie entspannte Gespräche an den Abenden ist ebenfalls eingeplant. 

Anmelden kann man sich noch bis zum 2. Juni, aber gerne früher, denn es gibt nur begrenzt viele Zimmer im Tagungszentrum LEUCOREA in Lutherstadt Wittenberg. Mehr Infos und den Link zum Anmelden finden Sie hier: Tatort Wittenberg – Evangelische Akademie zu Berlin.

Eine Woche später sind die Bibeldialoge dann schon in Siebenbürgen, aber dazu morgen mehr…

7. April 2026

Kraftquellen – Bibeldialog in Wittenberg

 Wie versprochen diese Woche die Ankündigungen der Sommer-Bibeldialoge. Vier Tagungen in drei verschiedenen Ländern. In Wittenberg geht es los mit zwei Bibeldialogen gleichzeitig. Zwei wirklich kompetente ehrenamtliche Teams machen es möglich, ohne dann ich mich klonen lassen muss.

Aber der Reihe nach: Was sind unsere Kraftquellen und wo tanken wir auf? Fragen, die sich Angehörige von Menschen mit Behinderung sicher öfters stellen. Wo ein Mitglied der Familie physische und/oder psychische Beeinträchtigungen hat, sind alle anderen mit betroffen. Wie finden Menschen Kraft, sich immer wieder einem Alltag zu stellen, in dem die Sorge um eine*n Angehörige*n mit Behinderung bestimmend ist? Egal, ob die beeinträchtigte Schwester oder der Sohn mit Behinderung in der Familie betreut wird oder in einer Einrichtung lebt: Für die Angehörigen birgt jeder Tag seine Herausforderungen. Im Erfahrungsaustausch, mit Tipps und Ideen für diese Herausforderungen im Alltag sowie mit einem Blick in die Bibel und ihre ermutigenden Passagen wollen wir achtsamer auf unsere Kraftquellen schauen und neue erkunden – im Tagungsraum, aber auch draußen im Park.

Deshalb ist auch ein Ausflug in den Wörlitzer Park geplant – mit Gondelfahrt und Kaffeetrinken – alles einfach nur zum Auftanken.

Anmelden kann man sich noch bis zum 2. Juni, aber gerne früher, denn es gibt nur begrenzt viele Zimmer im Tagungszentrum LEUCOREA in Lutherstadt Wittenberg. Mehr Infos und den Link zum Anmelden finden Sie hier: Kraftquellen – Evangelische Akademie zu Berlin.

Und zur selben Zeit im selben Haus, aber das dann morgen... 

4. April 2026

Karsamstag - der letzte Stopp auf dem Weg hin zu Ostern

 Was wird am Karsamstag gefeiert?

Der Karsamstag ist ein Tag der Stille und des Wartens. Als Fest ist er weniger bekannt, doch theologisch bedeutend: Er erinnert an die Grabesruhe Jesu – zwischen Tod und Auferstehung, zwischen Hoffnung und Zweifel. An diesem Tag – auch „stiller Samstag“ genannt – läuten in der Regel keine Glocken. Falls am Abend ein Gottesdienst gefeiert wird, ertönt nur eine einzelne Glocke.

Im Berliner Dom z.B. 22.00 – 23.30 Uhr feiern wir die Heilige Osternacht mit Tauferinnerung und Abendmahl, auch wieder als Live-Übertragung auf https://www.berlinerdom.de/live.  Mit Dompredigerin Christiane Münker, Domprediger Stefan Scholpp, den Berliner Dombläsern und Domorganist Andreas Sieling. Den Weg nach Ostern haben wir fast geschafft.

Und morgen ist Ostern! Warum ist Ostern das wichtigste Fest?

Ostern feiert die Auferstehung Jesu von den Toten. Das Fest steht für neues Leben, Hoffnung und den Sieg des Lebens über den Tod – im Zentrum des christlichen Glaubens.

Am späten Abend des Karsamstag oder den frühen Morgenstunden des Ostersonntag feiern Christinnen und Christen die Osternacht, denn nach den biblischen Berichten ist Jesus in der Nacht auferstanden und die Frauen fanden am frühen Morgen das leere Grab vor. Wird der Gottesdienst am Abend gefeiert, kann die Auferstehung durch Kerzenlicht symbolisiert werden; feiert man in den Morgen hinein, wird es von selbst hell. In jedem Fall ist der Übergang vom Licht zum Dunkel ein eindrucksvolles Symbol für die Auferstehung Christi. Das Leben ist stärker als der Tod; Gott überlässt die Menschen nicht sich selbst; die Welt bekommt eine neue Perspektive: In dieser hoffnungsvollen Botschaft liegt die Bedeutung von Ostern.

Der Ostersonntag ist in allen christlichen Konfessionen ein Freudenfest und Höhepunkt des Kirchenjahrs. Entsprechend festlich wird er begangen: Alle läutbaren Glocken erklingen gemeinsam, das liturgische Schwarz der Karwoche ist abgelöst von festlichem Weiß, Kerzen leuchten, es wird gesungen und häufig auch musiziert.M it Ostern endet die siebenwöchige Passions- und Fastenzeit. Zur Feier des Tages gibt es daher nach dem Gottesdienst in vielen Gemeinden ein Osterfrühstück. Auch wenn die Ostereier nicht unbedingt aus der christlichen Tradition stammen, lassen sie sich doch als Symbol für das Leben und die Unendlichkeit deuten.

Und morgen um dann auf jeden Fall in die Kirche, z.B. den Berliner Dom, der für besonders festliche Gottesdienste einfach perfekt ist. Aber alle christlichen Gemeinden werden morgen besonders frohe Festgottesdienste feiern. Im Dom gibt es aber wieder eine Live-Übertragung auf https://www.berlinerdom.de/live, denn es gibt  viele, die sich auch an diesem Freudentag nicht aufmachen können.

Im Dom predigt am Ostersonntag Bischof Dr. Christian Stäblein und es singt der Staats- und Domchor Berlin. Und natürlich hören wir Domorganist Andreas Sieling an der wirklich großen Sauerorgel. Für englisch-verstehende Gäste gibt es auch eine Übersetzung des ganzen Gottesdienstes in einer der Logen, aber die Osterfreude braucht eigentlich keine Worte.

Ehe ich es vergesse: Auch am Ostermontag von 10.00 – 11.30 Uhr wird noch einmal festlich Gottesdienst mit Abendmahl gefeiert, auch live übertragen auf https://www.berlinerdom.de/live

Bis dahin aber Ihnen/Euch allen gesegnete Ostertage!

Eure/Ihre Tamara

3. April 2026

Zum Karfreitag im Protestantismus

Der Karfreitag im Protestantismus

Zum Karfreitag gibt es viel zu sagen, und nach vielen Gesprächen mit verschiedenen Theolog:innen bei den Europäischen Bibeldialogen zur „Kreuzestheologie „Sühnetod Jesu“… poste ich doch lieber einen Text von der Website der Evangelischen Kirche: https://www.ekd.de/Karfreitag-Basiswissen-Glauben-54865.htm

Also: Ist der Karfreitag der höchste evangelische Feiertag? „Das ist nur in bestimmter Hinsicht richtig. Evangelischer Frömmigkeit ist das Bemühen um Wahrhaftigkeit wesentlich. Es gilt, nicht nur nach außen als Christ oder Christin zu leben, sondern es innerlich wirklich zu sein. Der Tod Jesu ist so eine Mahnung an die Gewissen. Im Angesicht des Kreuzes muss jeder Christ und jede Christin sich fragen, wie ernst es ihm oder ihr mit dem Glauben ist und ob man bereit ist, Jesus auf seinem Leidensweg zu folgen. Solche Selbstkritik kann jedoch nur recht üben, wer über dem Klagen das Frohmachende des Evangeliums nicht vergisst. Kurz: Der wahre Sinn des Kreuzes erschließt sich erst an Ostern. So gesehen ist Ostern, die Feier der Auferweckung Jesu, das höchste Fest der Christenheit. Dazu morgen mehr…

Aber zu den Bräuchen am Karfreitag: In allen Bundesländern Deutschlands ist der Karfreitag ein gesetzlicher „stiller Feiertag“. An ihm dürfen bestimmte Märkte, Musik- und Tanzveranstaltungen nicht stattfinden. Der Verzicht kann auch das Essen betreffen. Nach alter Tradition essen evangelische Christen und Christinnen am Karfreitag Fisch, die klassische Fastenspeise. In Erinnerung an den Karfreitag wird in den meisten Mensen und Kantinen an jedem Freitag Fisch serviert. 

In der evangelischen Kirche wurde der Karfreitag lange mit festlich gestalteten Abendmahlsgottesdiensten begangen. Daneben sind in jüngerer Zeit schlichtere Feiern getreten, oft zur Todesstunde Jesu (15 Uhr) oder am Abend. In ihnen wird auf Altarschmuck und Kerzen verzichtet. In vielen Gottesdiensten schweigt die Orgel. Auch verzichten viele Kirchengemeinden am Karfreitag auf das Glockenläuten. Die liturgische Farbe des Tages ist Schwarz.

Dass heute im Berliner Dom um 10 Uhr Gottesdienst gehalten wird, habe ich ja schon gestern angekündigt, aber um 15 Uhr ist im Dom auch eine Andacht zur Sterbestunde Jesu, auch als Live-Übertragung auf https://www.berlinerdom.de/live und auf BibelTV Und weil der Karfreitag auch ein besonderer Tag der Kirchenmusik ist, singen der Staats- und Domchor Berlin und die Sing-Akademie zu Berlin und der Tenor András Adamik.

Für Menschen, die gerade in Berlin sind, geht es danach live im Dom musikalisch weiter, aber dazu mehr hier: https://www.berlinerdom.de/termine/ 

2. April 2026

Gründonnerstag im Berliner Dom und online

Was bedeutet der Gründonnerstag im Christentum?

Am Gründonnerstag erinnern sich Christinnen und Christen an den letzten Abend, den Jesus vor seiner Gefangennahme mit seinen Jüngern verbrachte: Mit Brot und Wein nahm er Abschied von ihnen und trug ihnen auf, in Erinnerung daran künftig gemeinsam ein solches Abendmahl zu feiern. Nach dem Essen ging Jesus in den Garten Gethsemane, wo er bis zu seiner Festnahme betete und weinte. Darauf bezieht sich auch der Name „Gründonnerstag“, der vom althochdeutschen „grunen“ für „weinen“ oder „greinen“ abstammt. 

Traditionell wird in den evangelischen Kirchen am Abend des Gründonnerstag ein Abendmahlsgottesdienst gefeiert. In Brot und Wein erfahren Christinnen und Christen dabei die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus; sie bezeugen sein Leiden und Sterben und vergewissern sich der Vergebung ihrer Sünden. Das Glockenläuten am Abend des Gründonnerstags erinnert ebenfalls daran, wie Jesus in der Nacht vor seiner Gefangennahme voller Todesangst in Gethsemane betete. Für dieses Gedächtnisläuten wird nur eine Glocke benutzt.Mehr zu Bräuchen zum Gründonnerstag und rund um Ostern finden Sie auch hier: https://www.ekd.de/ostern-brauche-tradition-christlich-13267.htm

Natürlich gibt es heute auch im Berliner Dom, einen besonderen Gottesdienst zur anbrechenden Nacht und mit Abendmahl von 20:00 bis 21:30 Uhr.  Für alle, die nicht in Berlin sein können, gibt es den Gottesdienst such als Live-Übertragung auf https://www.berlinerdom.de/live. Es predigt unsere Dompredigerin Christiane Münker und unser Domprediger Stefan Scholpp führt durch die Liturgie. Musikalisch wirken mit Sopran Lotte Kosack und Domorganist Andreas Sieling. 

Ich sitze da vermutlich schon an meiner Übersetzung für den Gottesdienst am Karfreitag. Zum Karfreitag mehr morgen hier im Blog, aber für Ihre Planung schon jetzt: Der Gottesdienst mit anschließender Karfeitagsprozession beginnt wie von Sonntagen her gewohnt um 10 Uhr und wird auch gestreamt auf: https://www.berlinerdom.de/live. Es predig: Domprediger Stefan Scholpp und es singt die Schola der Berliner Domkantorei unter der Leitung von Domkantor Adrian Büttemeier. 

Das war auch nicht der letzte besondere Gottesdienst vor Ostern, aber dazu einfach mal auf der Website des Berliner Doms nachschauen: https://www.berlinerdom.de/termine/.

 

 

 

 

 


1. April 2026

Was ist die Karwoche?

Wir sind mitten in der Karwoche. Bevor ich nach Ostern die Bibeldialoge diesen Sommer vorstelle, vier Tagungen in drei Ländern ..., erstmal hier ein paar Gedanken zur Karwoche. Was ist die Karwoche?

Die Woche, in der Karfreitag liegt, heißt Karwoche. Die Festtage dieser Woche beziehen sich auf wichtige Ereignisse des Lebens Jesu: Am Palmsonntag – das war der letzte Sonntag – wurde des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht. Nun bewegen wir uns mit großen Schritten auf das höchste Fest der Christen zu (nein es ist nicht Weihnachten! 😉): Ostern. Aber bis dahin wird noch viel geschehen.

Am Gründonnerstag erinnern sich Christinnen und Christen an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung. Die Einsetzungsworte bei jeden Abendmahlsgottesdienst sind genau aus dieser Situation genommen, wie bei Matthäus 26,26-29, und bei Lukas 22,14-20 beschrieben. Dem Karfreitag folgt der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe. Mit diesem Tag endet die Karwoche.

Am Ostersonntag feiern Christinnen und Christen dann die Auferstehung: Gottes Sieg über den Tod. Mehr dazu dann die Tage hier im Blog. Oder auch hier: https://www.ekd.de/karwoche-94511.htm wo ich mir die Infos hergeholt habe.

Morgen geht die Reise hin zu Ostern weiter.