2. März 2016

Wir haben hier keine bleibende Stadt - For here we do not have an enduring city. (Hebr. 13,14)

Der erste offizielle Bibeldialog in 2016 ging am Montag zu Ende. Wir waren 35 Personen aus 7 Ländern, die meisten ehrenamtlich oder beruflich engagiert in der Arbeit mit Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund. Manche kamen, um sich auszutauschen, andere um einen Eindruck zu bekommen, welche Erfahrungen es schon gibt - in Sachen Flüchtlingsunterkunft, Kirchenasyl oder allgemein mit Muslimen. In den Bibelarbeiten wurde aufgezeigt, dass unsere ganze Kultur, ob wir sie Europäisch nennen oder Christliches Abendland, ohne Migration nicht denkbar ist. Unser Stammvater - der der Juden, Christen und Muslime) war letztlich ein Wirtschaftsflüchtling, der seine Heimat wegen einer Hungersnot verlassen musste. Was genau ist Heimat eigentlich, dieses Wort, dass es in vielen Sprachen nur als Umschreibung gibt? Wenn unsere wahre Heimat bei Gott ist, sind alle Länder, auch die, in denen wir ein Zuhause haben, wo wir geboren sind oder aufwachsen, immer nur eine Station auf dem Weg. So sind wir alle Reisende, und Reisende sind aufeinander angewiesen, müssen einander beistehen und helfen, wo sie können. In dem Beitrag aus dem Alltag einer Lehrerin wurde auch noch besonders deutlich, dass die Vielfalt der Kulturen und auch der religiösen Traditionen auch eine Bereicherung für alle sein kann. Ohne Mühen geht das nicht, aber wenn der Dialog im Alltag so offen und interessiert geführt wird wie ich es bei diesem Bibeldialog erleben durfte, dann schaffen wir das.

The first official Bible dialogue ended this Monday. We were 35 people from 7 different countries, mostly volunteers or otherwise committed to working with refugees or migrants. Some came for exchange of experience, others to get an idea of what is still to come. Our Bible studies showed clearly that our entire culture, whether we call it European or Christian Occident, exists because of migration. Abraham, the father of all Jews, Christians and Muslims fled his home, his "Heimat" to escape famine. But what is this German term “Heimat” really? There is no exact word for it English. It is more than a country, more than one's home, a  feeling rather than a place. And if our true home is not a place on earth, then we are all travellers and travellers need to help each other. We learned from a teacher that while diversity of cultures and religions in school classes may be a good deal of work, it is also a treasure. If all dialogue is as open and open-minded as in this group in Berlin, then I am confident that we can do it.
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Kommentare:

  1. Ein Kommentar von Hans-Martin T.: Eine weitere Anregung zu unserem Bibeldialog: Wir haben keine bleibende Stadt…
    Heimat vielleicht? so hat Anita Haviv-Horiner ihr Buch betitelt. Es besteht aus Interviews von Kindern von Holocaustüberlebenden, die nach Israel ausgewandert oder in Deutschland/Österreich geblieben sind. Die Interviews erzählen die Biographien dieser Menschen - ihre Geschichten, Ausdruck der Lebendigkeit jüdisch-israelischer Identität. Dazu gehört die Suche nach Heimat, die Suche nach Identität. Trauer, innere Konflikte, unbeantwortete Fragen und Dilemmata, innere Widersprüche, doch auch viel Positives wie kollektives Verantwortungsbewusstsein, Optimismus, Lebensfreude schwingen in den Antworten mit.
    Eine Antwort, die ein Interviewter auf die Frage nach Heimat gibt: Ich habe einen Ort, den ich weiterentwickeln muss, um sagen zu können: Das ist mein Zuhause, meine Heimat.
    In unseren Gesprächen haben wir befunden, dass "Heimat" immer nur eine Station auf dem Weg in Richtung unserer WAHREN Heimat ist. Diese Orte oder Stationen, fiktive oder reale, sind "entwickelbar", verändern sich, ja, bringen mit sich innere Widersprüche, innere Konflikte, aber auch Positives in der Ausrichtung auf das letztendliche Ziel.
    Wir haben keine bleibende Stadt … doch wir haben eine "Stadt", die uns erwartet. Teresa von Àvila sagt: Que muero porque no muero - und ich sterbe, damit ich lebe.

    Buchhinweis: Anita Haviv-Horiner, Heimat - Vielleicht?, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftreihe Band 1371

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