30. Mai 2015

Leider keine bleibende Stadt...

Eigentlich wollte ich täglich bloggen, aber es waren einfach wieder zu viele Eindrücke, zu viele tiefe und schöne Gespräche mit den Teilnehmenden an unserer musikalischen Begegnung in Siebenbürgen. Die TeilnehmerInnen kamen aus Deutschland, Niederlande und natürlich Siebenbürgen. Die Arbeit, die diese kleine Gemeinschaft hier tun, kann man sich kaum vorstellen; ohne die Hilfe Gottes wäre all das nicht zu schaffen. Ihr Mut und ihre Fröhlichkeit sind inspirierend. Über allen schwebt auch Wehmut, denn es sind viele von Ihnen schon reich an Jahren. Die Jungen sind ausgewandert - nicht alle, aber doch zu viele. Geht etwas sehr Kostbares bald schon zu Ende? Blicken wir, wie die alten Griechen, von denen uns Prof Klein in seinem Vortrag erzählte, auf die Vergangenheit, und und gehen rückwärts in die Zukunft? Welche neue Veränderungen stehen bevor? Ich bin sicher, dass die Siebenbürger Sachsen eine Zukunft haben, denn Veränderungen haben sie in den gut 800 Jahren, seit sie in diesem Land angekommen sind, viele bewältigt. Siebenbürgen lag in Ungarn, in Österreich-Ungarn und liegt seit Ende des 1. Weltkriegs in Rumänien und bleibt doch ihre Heimat. Dass heute einer der ihren vom ganzen Land zum Präsidenten gewählt wurde, gibt Mut - Mut für noch immer Ungewisses: Wo wird es hingehen? Aber es zeigt auch, dass sie eine geachtete Minderheit im Land sind. Vielleicht haben die Siebenbürger Sachsen in der Situation heute keine bleibende Stadt, aber im Gegensatz zu vielen anderen stellen sie sich den Herausforderungen. Ich bin dankbar für die Begegnung mit ihnen, mit ihrem Glauben und ihrer Gastfreundschaft. Eine Teilnehmerin sagt gestern in der Auswertungsrunde. Das Zelt der Begegnung, das konnte sie spüren.
Ein krönender, wunderbarer Abschluss war der Gottesdienst in der Michelsberger Kirche. 

27. Mai 2015

Wir haben hier keine bleibende Stadt...

Heute beginnt der Musikalische Bibeldialog in Siebenbürgen. Wie für uns geplant, gehen wir heute Abend als erstes in ein Chor- und Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Eine vom Leitungsteam und ich sind gestern schon angekommen und konnten schon etwas von Michelsberg sehen und die wunderschöne Landschaft ringsumher. Der Regen hat alles nur noch grüner gemacht.
Today we begin our musical bible dialogue in Transylvania. Asif it was planned for us, there is a church concert in Sibiu tonight, so most of our group will go there in the evening. A fitting start. Some of us arrived yesterday and enjoyed some of Cisnadioara and the beautiful landscape all around. The rain made it only greener.

11. Mai 2015

Neue Hoffnung und neue Stärke - New hope and new strength

Gestern ging der Bibeldialog für Angehörige von Menschen mit Behinderung zu Ende. Zu unserer großen Freude waren auch diesmal wieder einige Neue dabei. Für die Neuen ist es sicher manchmal etwas befremdend, wenn Grüße übermittelt werden von früheren TeilnehmerInnen, die leider nicht mehr kommen können, wenn Postkarten herumgehen an Menschen, die diesmal nicht dabei sein konnten. Es haben sich über die Jahre Freundschaften gebildet, die über die einzelnen Tagungen hinausgehen. Auch wenn Mitarbeitende in Behinderteneinrichtugnen herzlich willkommen sind, so ist ein wesentlicher Aspekt dieser Tagung, dass Eltern sich austauschen können, ohne immer wieder erklären zu müssen, was in einer Familie mit einem behinderten Menschen anders ist, weshalb auch ein schwerstbehindertes Kind geliebt wird wie jedes Kind, und warum man trotzdem manchmal kaum stehen kann unter der Last. Die Gruppe diskutierte lebhaft nach dem hervorragenden Vortrag von Prof. Burtscher über die Probleme älter werdender Eltern von Behinderten. Ich konnte den Frust heraushören, wenn Eltern gleichzeitig dafür kritisiert werden, wenn ihre Söhne und Töchter mit über 20 noch zu Hause leben, obwohl das Gros der jungen Erwachsenen ohne Behinderung auch erst Ende zwanzig auszieht, wenn nicht Studium, Beruf oder Partnerschaft dazwischen kommen. Und mitunter wird ihnen aber auch vorgeworfen, das behinderte erwachsene "Kind" einfach so "ins Heim" zu geben. Dabei bleibt es eines der größten Probleme, einen Platz in einer angemessenen Einrichtung zu finden. Für Schwerstbehinderte ist das nicht einfach, manchmal geradezu unmöglich. Inklusives Verbundwohnen, wie wir es in Zehlendorf gesehen haben, bleibt eine seltene Ausnahme. Hier können Menschen mit unterschiedlich schweren Beeinträchtigungen gemeinsam leben mit so viel oder so wenig Betreuung, so viel Selbstbestimmung, wie sie brauchen und können.Die Pläne für nächstes Jahr sind schon am Werden. Am 18.-22. Mai 2016 findet der nächste Bibeldialog für Eltern vonMenschen mit Behinderung statt.
The Bible Dialogue for parents of people with disabilities ended yesterday. We were happy to welcome several new people in the group that has over the years become a group of friends. It is one of the most important aspects of this conference that parents needs not explain why they love their handicapped child as much as any parent. I could here some frustration when parents talk about how they are chided when their sons or daughters are still living at home in their twenties (when the average age to move out in Germany is 25, in Italy 29). At the same time, there are critical remarks when they do settle their grown "children" in an institution. The biggest problem remains finding a suitable place for a grown person with severe disabilities at all. A place where they can live as autonomously as possible and as cared for as necessary.

8. Mai 2015

Shalom

Heute ist der 8. Mai - vor 70 Jahren kapitulierte das deutsche Reich, nachdem es Europa in Schutt und Asche gelegt hatte. In diesen Tagen findet der Bibeldialog für Angehörige von Menschen mit Behinderten statt und es ist ein gutes Gefühl, dass unsere Freunde aus den Niederlanden wieder und diesmal auch ein Teilnehmer aus Tschechien dabei sind. Es ist ein besonderer Grund dankbar zu sein, dass unser tschechischer Freund anregte, gemeinsam zu singen und einander ein Friedenzeichen zu geben.
Today is May 8th, 70 years ago the German Reich admitted defeat and the war ended. These days, a group of parents of people with disabilities are taking part in a Bible dialogue in Berlin and we are esepcially happy for our participants from the Netherlands and the Czech Republic. it fills us with gratitude that it was our Czech friend who suggested to commemorate the day by a song on reconciliation and forgiveness and by giving each other a sign of peace.

6. Mai 2015

Meine Hoffnung ... meine Stärke - My hope ... my strength

Heute beginnt der Bibeldialog "MEINE HOFFNUNG UND MEINE STÄRKE. Der Prophet Elia: Glaube auf dem Prüfstand". Hoffentlich kommen alle TeilnehmerInnen gut an trotz Bahnstreik. Vor allem unsere Gäste aus den Niederlanden und Tschechien! Es ist eine Tagung für Eltern von Menschen mit Behinderungen, aber auch MitarbeiterInnen in Behinderteneinrichtungen nehmen manchmal teil. Neben den Bibelarbeiten werden wir diesmal zwei Höhepunkte haben: einen Beitrag von Prof. Burtscher über älter werdende Eltern und einen Besuch in einer noch sehr neuen Einrichtung der Zukunftssicherung e.V.: Inklusives Verbundwohnen
Das heißt: Menschen mit unterschiedlichstem „Assistenzbedarf“ leben hier unter einem Dach. Sie werden ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen in ihren eigenen Wohnungen betreut und versorgt. Wie wir dort mit eingeschränkten S-Bahnbetrieb hinkommen, werden wir sehen.

This conference is in German only. Invited are parents of people with a disability as well as employees in institutions for the disabled. Next to Bible studies the highlights wil be a lecture and discussion on the issue of aging paprents with disabled son or daughters and a visit at a new institution called inclusive living, meaning that people with various degrees of disability live as autonomously as they can with as much assistance as they need under one roof and in their own apartments.

4. Mai 2015

Wem gilt der Trost? Who is to be comforted?

Gestern ging der theologische Grundkurs über die Texte des Propheten Deuterojesaja, dem Trostbuch der Bibel zu Ende. Es war eine engagierte und sehr interessierte Gruppe, deren Wunsch mehr über die Texte der hebräischen Bibel zu lernen, sehr ausgeprägt war. Deuterojesaja bedeutet zweiter Jesaja und meint anonymen Propheten, der zwischen etwa 550 v. Chr. und etwa 539 v. Chr. auftrat. Zugleich dient die Bezeichnung für die Kapitel 40 bis 55 des biblischen Jesajabuches, die auf diesen Propheten zurückgeführt wurden. Nach heutigem Forschungsstand verkündete seine tröstliche Botschaft  während des Exils in Babylon.
Auf die vom Team sorgfältig vorbereiteten Einstiegsreferate folgten kluge Fragen und intensive Diskussionen. Wie sieht es denn aus mit den Texten des "AltenTestaments"? Wir Christen beten wie selbstverständlich Psalmen und beziehen den zugesagten Trost des Prophetenworts dankbar auf uns, aber gemeint war doch das Volk Israel, das in Babylon im Exil litt. Dürfen wir die heiligen Texte des Volkes Israel durch unsere "christliche Brille" lesen? Wie gehen wir damit um, dass die Texte der hebräischen Bibel uns Christen gar nicht meinen konnten? Oder erlaubt uns die Zusage Jesu, all das, was schon Jahrtausende vor uns jüdische Tradition war, zu einnahmen? Lange wurden die Jesaja-Texte als Prophezeiung des Kommens Jesu verstanden, denn in den Evangelien wird Jesaja viel zitiert. Der Opfertod des Gottesknechts lässt uns schnell an Jesu Tod am Kreuz denken. Zu beweisen ist es nicht. Was aber tröstet uns dann? Die Hoffnung und der neue Bund mit Gott in Jesus Christus, der der ganzen Welt gilt. Israel ist Gottes auserwähltes Volk. Kinder Gottes sind alle Menschen.

The conference was in German only. Our group was very interested and very eager to learn more about texts from the Hebrew Bible, specifically the prophet Deutero-Isaiah, who spoke to the people of Israel in Babylonian exile. There are many instances in these texts that seem to point towards Jesus Christ, but does that give us Christians the right to appropriate the prophesy and its promise? If we are not addressed here, what remains for us? At the very least, the hope and new convenant in Jesus Christ. Israel is and will remain to be God's chose people. But we are all God's children.