Schon wieder ist ein Monat um und ich habe die meisten Blog-Versprechen nicht gehalten. Im April war aber auch viel los und dann Himmelfahrt und nächste Woche ist schon wieder Pfingsten. Aber dazu mehr am Donnerstag.
Ich hätte längst berichten sollen von unserer Frauentagung: Wissen Wagen, einer Begegnung mit feministischer Theologie. Aber verpasst ist verpasst. Heute, und bis Mittwoch erstmal wieder eine Predigt von Elke aus Lemgo in 3 Teilen. Man kann hier auch ganz gut nachvollziehen, warum es sinnvoll sein könnte, die Bibel auch mit einem feministischen Blick zu betrachten: Das Buch Ester... ist "fast, aber nur fast, ein Märchen aus 1001 Nacht. Der König braucht eine neue Frau. Zuvor hatte er seine Königin Waschti davongejagt, als diese sich weigerte in voller Schönheit zu glänzen. In voller Schönheit, das bedeutete nichts anderes als nackt, nur mit einem funkelnden Diadem im Haar. So sollte sie sich dem König, seinem Hof und dem ganzen Volk präsentieren. Ich mag mir die Geräuschkulisse kaum vorstellen. Waschti weigerte sich. Damit kratze sie am Selbstverständnis des Hofes genauso wie am damaligen Frauenbild. Das durfte keinesfalls Schule machen. Also musste Waschti ersetzt werden.
Was nun folgt, ist auch nicht märchenhaft. Bedienstete des Königs suchen in allen 127 Provinzen des Reiches, von Indien bis Ägypten, nach hübschen Jungfrauen. In der Stadt SUSA, dem Königssitz, sollten diese in den Harem des Palastes zur Schönheitspflege einziehen. Jungfrauen, junge unerfahrene Frauen, umgeben von Frauen, die für sie sorgen. Einflussreiche Männer, Eunuchen, führten an orientalischen Höfen im Harem die Aufsicht. Also kein ausschließlicher Frauenwohnort. Eifersüchteleien, Konkurrenz und Machtspielchen, vielleicht noch weit Schlimmeres, für meine Ohren vorprogrammiert. Sollte ein guter König nicht fürsorglich für sein Volk, egal ob Mann, Frau oder Kind sorgen? Gottlos und keinesfalls märchenhaft - so ein Palastleben.
Und Folgerichtig, das Mädchen, welches dem König am besten gefiel, sollte neue Königin werden.
Esther, die junge jüdische Waise und ihr Adoptivvater Mordechai, ihr Cousin, lebten in der Diaspora. Mordechai sogar in der Festung des Palastes zu Susa, demzufolge wohl Palastangestellter. Nach dem Tod von Esthers Eltern kümmerte er sich verantwortungsvoll um seine Nichte. Nun war sie zu einem jungen hübschen Mädchen mit guter Figur herangewachsen. Und Königsersuchen landauf und landab. Viele Mädchen zogen in den Harem der Festung ein, natürlich unter Aufsicht gestellt. So auch Esther. Diese fiel einem Aufseher auf. „Er entwickelte eine Vorliebe für sie und sorgte dafür, dass sie gutes Essen und eine besondere Schönheitspflege bekam. Außerdem stellte er ihr sieben Mädchen zur Seite, die er aus dem Haushalt des Königs auswählte. Er ließ sie alle zusammen im schönsten Raum wohnen, den es im Harem gab“.
Mordechai sorgte sich. Er hatte Esther weitsichtig geraten, ihre jüdische Identität nicht preiszugeben. Täglich schaute er vorbei, weil er wissen wollte, was man mit ihr machte. Welche Beziehung er zu Gott pflegte, bleibt ungesagt, ist aber zu erahnen. Und Gottes Weitsicht, auch unter schlechten Bedingungen im Exil, wie die Treue zu seinem Volk deuten sich durchaus an.
Der Countdown zur Königinnenwahl läuft. Ein junges Mädchen nach dem anderen war an der Reihe, zum König hineinzugehen. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung für jede Frau. Ausgiebige Schönheitspflege vorgeschrieben: 12 Monate eine Behandlung mit Öl und Balsam. Dazu kamen noch weitere Schönheitsmittel für Frauen. Dann erst durften die Mädchen zum König hineingehen.
Kritische Fragen:
Meint weitere Schönheitsmittel für Frauen „niemals Widerspruch gegen den Hof + Männergesellschaft? „Sie durften zum König gehen“, gleichzusetzen mit „sie mussten sich ihm ungefragt hingen?“
Was erleben und fühlen die Mädchen in dieser sogenannten Vorbereitungszeit? Welche Erwartungen oder Ängste haben sie so fern von allem Vertrauten?
Darüber lesen Sie dann morgen hier mehr.
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