22. Juni 2017

Freiheit in der Bibel und heute? - Freedom in the Bible and today?

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Am Sonntag schon ging unter Theologischer Grundkurs zum Thema Freiheit zu Ende. Wir waren eine kleine Gruppe, aber dafür waren die Gespräche um so intensiver und es konnten sich alle gut einbringen. Jede und jeder der Teilnehmenden war sehr am Thema interessiert und auf den Auswertungsbögen wurden neben der guten Vorbereitung der Arbeitseinheiten durch das Leitungsteam besonders die Gespräche untereinander als bereichernd bezeichnet. Die relativ lange Dauer der Veranstaltung, 4 Tage in Berlin, lassen Vertrauen wachsen und erlauben ein gründliches Eintauchens ins Thema und in die Texte der Bibel.
Um Freiheit ging es, bei Jesaja, bei Jesus und bei Paulus, und wie sie von Martin Luther verstanden wurde und wie wir sie heute empfinden. In den Gesprächen haben wir uns auch gefragt, ob es ein Zuviel an Freiheit geben kann oder ob wahre Freiheit nicht immer auch Grenzen braucht, die zu überschreiten oder auch freiwillig zu respektieren sind.Ein Zitat von Nelson Mandela aus der Einstiegsrunde, hat es für mich gut ausgedrückt. Als er das Gefängnis verlassen konnte, soll er gesagt haben, dass er erst wirklich frei sein würde, wenn er auch die Fesseln von Hass und Verbitterung ablegen konnte.
Sunday was the last day of our Bible Dialogue on the topic “Freedom”. We were a small but very good group, every one being highly committed and interested in what our conference team had prepared. On the evaluation sheets it was the conversation with the other participants that was considered most valuable – besides the thorough and elaborate preparation by the team – and the comparatively long duration (4 days in Berlin) was appreciated as an opportunity to study the bible in-depth while getting to know one another, as trust can be built from one day to the next.
The conference looked at the idea of freedom in Isaiah, in the Gospels and the letters of Paul, as well as how Martin Luther interpreted the freedom in Christ and how we today see it. We also asked in discussions whether there can be too much freedom or if true freedom may even need limits, boundaries that can be overcome or may be respected freely.
A quote by Nelson Mandela in the first work unit expressed it well for me: When he was released from prison, he is reported to have said that he would only truly be free if he could leave hatred and bitterness behind.

14. Juni 2017

Zur Freiheit berufen- Called to freedom

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Heute geht es los mit dem theologischen Grundkurs für ehrenamtliche. Thema wird sein "Zur Freiheit berufen!" wir sind eine kleine Gruppe - wohl doch zeitlich zu nah am Berliner DEKT. Zumindest haben das einige signalisiert, die wir eingeladen hatten. Aber das heißt nicht, dass es nicht spannend wird. Das Leitungsteam, das hier bei uns ehrenamtlich alles vorbereitet und die Tagung durchführen wird, hat ein tolles Programm zusammengestellt und die Gespräche werden vermutlich gerade wegen der relativ kleinen Gruppe sehr intensiv werden. Auch Berlin kommt nicht zu kurz beim Ausflug zur Ausstellung "Der Luther-Effekt" im Martin-Gropius-Bau und einem freien Abend in der Berliner Innenstadt.

*** today we begin our theological basics seminar for volunteers in the church. The topic will be freedom . We are a small group, according to some that declined our invitation, we are just a little too close to the Protestant "Kirchentag" ("Church Day") which was in May and this year also in Berlin. However, this does not mean it will be less interesting. the team, also volunteers, have prepared a very good programme with Bible texts on the topic and interpretations from Martin Luther to Martin Luther King and others. We will also see the new exhibition called "The Luther Effect" at Martin Gropius-Bau.

24. Mai 2017

Es ist wieder Kirchentag!


Es wird wieder schön  lachende, singende, betende mesnchen, unbeschwert im Sonnenschein. Warum kann es nicht immer so sein? Wir kennen auch die anderen Bilder: Terror und Not, Flucht und Krieg.
Und Dienstag in Manchester: Tote, verletzte, weinende und geschockte junge Menschen, die einfach nur ein Pop-Konzert besucht hatten.
Dürfen wir angesichts solcher Bilder von einer schöneren, besseren Welt träumen? Nein, sondern wir MÜSSEN uns diesen Traum erhalten, denn er gibt uns Kraft. Der Kirchentag ist ein Fest, das diese Kraft feiert. Wir tun nicht so, als wäre alles schön und gut, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden, aber es gibt viel Schönes und Gutes, das sich zu feiern lohnt. Gott sieht uns - und nicht nur das Äußere, das Bild, das wir gerne anderen von uns zeigen. Gott sieht uns, wie wir wiklich sind. Wir müssen, nein, wir können uns nicht verstellen. Und wir dürfen hoffen, dass er uns (trotzdem) in seiner Liebe annimmt. Das ist Grund für ein frohes Fest. 
Die vielen fröhlichen Christen werden so manche/n Berliner/in nerven, das ahne ich schon. Ich hoffe aber, dass meine Stadt - wie so oft - auch mal tolerant sein kann gegenüber "religiösen Minderheiten". 

15. Mai 2017

WEITBLICK UND ZWEIFEL. Von Abraham bis heute - VISIONS AND DOUBTS

Die Lesung und Predigt beim Gottesdienst des Bibeldialogs für Angehörige von Menschen mit Behinderung waren Höhepunkt und Fazit der Tagung, in der es um den Umgang mit Gewalt, Aggressionen und Konflikten ging. Das Thema wurde sehr breit gefächert angegangen. War das vielleicht zu breit? Das habe ich mich vorher gefragt. Ob wir  den Bogen vom biblischen Abraham, über die Aktion T4 (das so genannte „Euthanasie"-Programm der Nationalsozialisten im 3. Reich, das in Wirklichkeit Mord an Menschen mit Behinderungen und psychischen Krankheiten war), Patientenverfügungen in leichter Sprache bis zu praktisch orientierten Anregungen zum Umgang mit Aggressionen bei Menschen mit geistiger Behinderung schaffen würden, war mir anfangs noch nicht ganz klar. Wie da wohl auch heilsames Singen und ein Besuch der Internationalen Gartenausstellung hineinpassen würden? Dank dem wunderbaren Leitungsteam und den ebenso wunderbaren TeilnehmerInnen (aus Deutschland, den Niederlanden und Tschechien) fügte sich alles zu einem stimmigen Ganzen in guter Gemeinschaft. Diese gute Gemeinschaft und die intensiven Gespräche, in denen jeder und jede offen auch über sehr persönliches sprechen kann, sind dann auch die wichtigsten Elemente dieser Tagung, die dafür sorgen, dass die meisten immer wieder zu dieser Tagung nach Berlin fahren – nicht alle jedes Jahr, denn irgendwas kommt dann soch mal dazwischen, aber dafür erfreulicherweise auch in Begleitung Neuer. Nächstes Jahr (25.-29. April 2018) wollen wir uns mit dem Thema DANKBARKEIT befassen. Dankbar für diese Begegnung bin ich auch dieses Jahr wieder.

The Bible words and sermon in our worship yesterday at the Bible Dialogue for relatives of people with disabilities were a perfect conclusion to the conference. Our topic was violence, aggression and conflict and we had a very wide approach. Too wide? I was a little concerned how we would manage the bridge from the Biblical Abraham, via the T4-programme in Nazi-Germany (which was meant to “legally” murder people with disabilities) all the way to practical instructions on how to deal with aggression in people with mental disabilities. How would “healing singing” and a trip to the International Garden Exhibition fit in? Thanks to a wonderful team and equally wonderful group of participants from Germany, the Netherlands and the Czech Republic it all came together and made sense. The intensive and open talks with each other are maybe the most important reason why many are coming back to the conference and sometimes with someone new coming along.
Next year, we will look at the topic GRATITUDE and I am indeed grateful already.

8. Mai 2017

Ein feste Burg ist unser Gott - A Mighty Fortress...

(for text in English please scroll down) 
Gestern war der Höhepunkt unserer musikalischen Begegnung in Siebenbürgen: der Gottesdienst in der Michelsberger Dorfkirche, den wir musikalisch gestalten durften. Hans aus Hermannstadt führte uns durch die Liturgie und Siegfried aus Remscheid hielt die Predigt – zusammen mit Klaus-Dieter aus Berlin, Carmen aus Broos las die Bibelworte. Tomas aus Prag spielte die leisen Töne auf der Laute und Gyöngyver aus Györ spielte die lauten auf der Orgel zu unserem deutsch-siebenbürgisch-polnischen Chor, den ganz wunderbar geduldig und virtuos Ruth aus Remscheid von einem zaghaften Häuflein mit recht unterschiedlicher Begabung zu einem recht ordentlichen Chor herangezogen hat. Das Ergebnis kann man sich sogar auf Facebook anhören. (https://www.facebook.com/reinhold.henning/videos/1307767472611523/)
Das Singen war nicht unser einziges Thema. Es ging um die Theologie Martin Luthers, wie wir sie in seinen Liedern finden, denn: „So sie’s nicht singen, glauben sie es nicht,“ soll er gesagt haben und „Wer singt, betet doppelt,“ wusste wohl schon Kirchenvater Augustinus.
Die Bibelarbeiten und Diskussionen haben nachdenklich gemacht. Was bedeutet „Allein durch Gnade“, bauen wir wieder auf eine neue „Werkgerechtigkeit“, wenn wir uns für bessere Menschen halten, weil wir etwa die Umwelt schützen, uns für Geflüchtete einsetzen oder gegen den Krieg demonstrieren? Natürlich ist es gut, sich so zu engagieren, aber wir sollten nie vergessen, dass uns Gottes Liebe vorher schon geschenkt ist, wir müssen sie nicht erst verdienen, können es auch nicht. Auch wenn es sich manchmal gar nicht so anfühlt: wir sind schon selig, unser ist schon das Himmelreich, wie es Siegfried in der Predigt gesagt hat. Alle unsere Bemühungen sind doch nur unsere Antwort auf das Wort Gottes, wenn auch wir Gott unsere Liebe zeigen wollen, so gut wir eben können.
Unser Ausflug zur Kirchenburg in Heltau wurde gekrönt durch die Musik und das Bibelwort dort, es ging um den verlorenen Sohn oder, besser gesagt, um die verschwenderische Liebe des Vaters, zu dem auch wir immer zurück können, egal wie sehr wir uns entfernt haben. Ein feste Burg ist unser Gott, zu Gast bei der deutschen Minderheit in Siebenbürgen lässt sich erahnen, wie kostbar diese Gedanke ist. Nicht umsonst ist genau dieses Lied fast schon eine Kirchenhymne.
Wir haben viel gelernt und viel gesungen und – vor allem – Gemeinschaft erleben dürfen. Siebenbürgen – und ganz besonders der kleine Ort Michelsberg (rum.: Cisnadioara) – hat „Heimatpotential“, wie eine frühere Teilnehmerin es einmal ausdrückte. 

In four days we went from a bunch of individuals from 5 different countries with very different levels of musical talent to a group of  friends and very decent choir.
(https://www.facebook.com/reinhold.henning/videos/1307767472611523/
Music was not our only topic. Being guests of the German minority in Romania, we learned a lot about what it means to find God to be a mighty fortress that can stand against all odds, even the emigration of 95 % of the congregation's members.  We learned about Martin Luther's theology as he put his ideas into hymns - to be sung in German, so that people could sing what they believed and believe what they were  singing. There was much food for thought: We are blessed - by God's grace alone. Nothing we can possibly achieve can EARN us God's love. But we don't have to earn it. It is a gift, given to every man, woman, child. We may bot always understand this generosity in love, just like the brother of Prodigal Son - as the two young musicians told us in the Heltau fortified church who played beautiful music to underline the message of the parable. 
Learning, singing and living together - that was the idea behind this Bible Dialogue.

24. April 2017

Gerechtigkeit - Justice

Gestern ging unsere pädagogische Studientagung zum Thema Gerechtigkeit zu Ende. Es ging um die Ursprünge unserer Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die Beiträge der Reformation, besonders mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit, um soziale Gerechtigkeit und Modellen für ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber auch um Gerechtigkeit zwischen den Generationen, die um füreinander da sein zu können und zu wollen, auch miteinander erleben können müssen. Es wurde deutlich, dass unsere menschlichen Vorstellungen, dass Gerechtigkeit in irgendeiner Weise an Leistung geknüpft sein sollte, nur ungerecht sein können. Schon zur Zeit der Reformation führte man in Wittenberg die „Gemeinen Kästen“ ein, in die die Reichen einzahlten und aus denen den Armen nach ihren Bedürfnissen geholfen wurde.  Und schon der Prophet Mohammed, dessen damals neue Religion, der Islam, zur Zeit des Übergangs von Tausch- zu Geldgeschäften geboren wurde, überzeugte zu Beginn auch durch seine Bemühungen um mehr Ausgleich zwischen Arm und Reich. Das Thema Islam ist in unserer Tagung ein wenig zu kurz gekommen, aber als Fazit blieb, dass alle Bemühungen um Gerechtigkeit von einem Argument ausgehen können: der absoluten Gleichwertigkeit aller Menschen. Gleich, ob wir dies ableiten von der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott oder den Allgemeinen Menschenrechten, auf die jeder ein Recht hat, oder der Menschenwürde, die unantastbar ist. Bei Luther heißt es, dass der Mensch gerecht allein durch die Gnade Gottes sein kann. Die Allgemeinen Menschenrechte – auf Unversehrtheit, auf Wohnung, Kleidung, Bildung … - gelten für wirklich alle Menschen, egal wo sie leben, egal was sie tun oder ob sie überhaupt arbeiten oder etwas leisten, so wie die Gnade Gottes immer völlig unverdient geschenkt wird. Der Grundgedanke des Bedingungslosen Grundeinkommens ist im Prinzip derselbe, der Martin Luther antrieb.
Wir waren ein sehr vielfältige Gruppe von Jüngeren und Älteren, (relativ) Armen und (vergleichsweise) Reichen, christlich engagierten und kirchlich distanzierten, Berufstätigen Arbeitssuchenden, Renter/-innen, Angestellte und Freiberufler/-innen… aus Deutschland, Polen, Ukraine und USA, und so hat es mich doch ein bisschen überrascht, wie harmonisch die ganze Gruppe doch war.  
Yesterday we ended the study conference on the topic of Justice or Righteousness which are actually the same word in German. We began our search for the origins of our yearning for justice in the Age of the reformation (but the prophet Mohammad who funded Islam at a time when people were just changing from barter to money trade, also convinced by his endeavours to balance the situation between the rich and the poor and this create more justice. Most of the time we meant Justice, thinking about how all people have equal rights to food water, clothes and shelter, as well as participation and education… no matter where they are born and what they are able or willing to contribute. The idea behind the (Global) Unconditional Basic Income is just that, the same that brought forth the Declaration of Universal Human Rights. For Martin Luther – and maybe for Mohammad as well – the reason is that all people are equal before God, the creator of all. Luther explained by his doctrine of justification that God no one can be justified by his or her own achievements but all may have the grace of God through faith alone – or simply for being there.
We were a very diverse group with people from Germany, Poland, Ukraine and USA, older and younger, employed, retired or jobless, relatively rich and relatively poor, and so it was a pleasant surprise just how harmonious our discussions were.

28. März 2017

In der Welt habt ihr Angst - In the world you will have trouble.

(Please, scroll down for English text***) Gestern ging unser Bibeldialog zum Thema „In der Welt habt ihr Angst. Werte, die tragen“ zu Ende. Es war eine spannende Studientagung. Das ohnehin breite Spektrum des Protestantismus (in Deutschland, den Niederlanden, der Ukraine, Serbien und Georgien) wurde noch erweitert durch muslimische Teilnehmerinnen aus Bosnien und Herzegowina. Kein Wunder also, dass es auch mal deutliche Meinungsverschiedenheiten gab. Sind wir zu tolerant im „Westen“? Dialog bedeutet nicht unbedingt, dass man am Ende einer Meinung sein muss, solange wir zuhören und verstehen lernen wollen. War früher alles besser? Die Stellung der Frauen in Europa hat sich eindeutig verbessert. Für Christen in der damaligen DDR hat sich mit dem Mauerfall und der gewonnenen Freiheit auch Einiges zum Besseren gewendet. Für die Menschen in Jugoslawien waren die 90er Jahre geprägt von Krieg und Flucht.
Die meisten Werte, die uns allen wichtig waren und sind, finden wir nicht allein bei den Christen, zumal sie zumeist viel älter sind als das Christentum, oft direkt vom Judentum übernommen. Und es ist nur gut, dass diese Werte Einzug halten konnten in die Erklärung der Menschenrechte und auch Muslimen wichtig sind.
Sorge machte uns, wenn Menschen ihre Weltsicht auf alternativen Fakten und Verschwörungstheorien aufbauen. Wie sollen wir damit umgehen? Zuhören und nachfragen. Immer wieder. Demokratie ist nichts, was man ein für alle Mal besitzt; sie muss fortlaufend erarbeitet werden. Uns Christen gibt unser Glaube die Gewissheit, dass die Welt, die uns mitunter Angst machen kann, in Christus überwunden ist. 

*** Yesterday we ended our Bible dialog on the subject „In the World you will have trouble“. It was about values and whether the values we treasure so much are actually genuinely Christian. Most are of course directly adopted from Judaism and thankfully we also find them in the Declaration of Universal Human Rights. We did not always agree on the limits of tolerance, but with Christians and Muslims from Eastern and Western Europe, it is no surprise that we had a lot to learn from and about each other. Dialogue, after all, does not mean to have the same views, but to learn about the views of one another. Did things look better in the "good old days"? For some, the old days also meant that women had to ask their husbands if they were allowed to take a job (in Germany until the 1970s); for Yugoslavians, the 1990s meant the end of a peaceful community and the beginning of a brutal civil war with wounds that even today have not completely healed.
And today, there are people who build their idea of the world on alternative facts and conspiracy theories. We realize that democracy and freedom are never anything that one has once and for all. They need constant work and a firm stand. Christians see faith as a gift from God. It gives us the certainty that no matter what troubles we have in the world, in Christ, they will be overcome.

27. Februar 2017

Nun freut euch, lieben Christen g'mein. Die Reformation in ihren Liedern - The Reformation in its Hymns

Es ist schon Februar und die Leitungsteams und ich arbeiten schon eine Weile fleißig an den Bibeldialogen dieses Jahr. Der erste Bibeldialog in diesem Jahr fand aber jetzt erst statt.
Heute Vormittag reisten die Teilnehmenden wieder ab in ihre Heimatländer und Regionen in Deutschland, Polen, Tschechien, Russland, Litauen und Niederlande, den Kopf wie ich vermutlich noch voller Melodien von Luthers Liedern. Die Theologie der Reformation lässt sich über die Lieder ganz anders und besonders eindrücklich kennenlernen. Anders, als man vielleicht vermuten könnte, war es kein Luther-Fantreffen; auch Luthers Verhältnis zu den Juden und dem Islam wurden nachdenklich angesprochen. Im Rollenspiel wurden die Konflikte damals (und zum Teil bis heute) deutlich und lebhaft diskutiert. Dennoch gibt es Anlass zur Freude in der theologischen Botschaft der Reformation: nicht durch eigene Kraft und gute Taten müssen wir Gott gnädig stimmen, sondern seine Gnade ist ein Geschenk und es bedarf nur unseres aufrichtigen Glaubens, um dieses Geschenk zu erkennen und anzunehmen.
Ein Geschenk ganz anderer Art war sicher auch unser Gastreferent (und Teilnehmer), der nicht nur über die Kirchenlieder der Böhmischen Brüderunität und Michael Weiße eine Brücke zur 100 Jahre älteren Reformation und Jan Hus gebaut hat, sondern auch die hervorragende Ausstellung in der Berliner Staatsbibliothek als zusätzlichen Programmpunkt eingebracht hat.
Auf dem ersten Platz  der Lutherlieder-Hitparade landete "Verleih uns Frieden gnädiglich" - auch ein Hinweis darauf, dass wir die Gegenwart und die Welt außerhalb unserer Tagungsräume nicht vergessen haben.

Today, the participants of our first Bible Dialogue this year left to travel home to places all over Germany, to Poland, Lithuania, the Czech Republic,to  Russia and the Netherlands, their heads probably still full of melodies. The Reformation's theological thoughts are often more easily grasped in its hymns. We did not ignore the more disputable aspects of Luther's relationship to Jews and Islam, but at the end of the day, we were even more aware of the joy and liberation that are to be found in the fact that we do not need (nor can) work hard to gain the Grace of God, but that this Grace is God's gift, and our faith alone will let us realize and accept it.
A Luther hymn contest resulted in "Grant Peace, We Pray, in Mercy, Lord" as the winner, showing that in all our singing an rejoicing, we did not forget the world we live in today which is in great need of peace.

25. November 2016

Advent Advent

Der erste Advent ist ja diesmal wieder so früh, dass man sich noch gar nicht an die glitzernde Deko rings um uns herum gewöhnt hat. So fühlt es sich ganz passend an und neu und zum richtigen Zeitpunkt. Im November sind ohnehin zusätzliche Lichter sehr willkommen. Ich freue mich auf den Advent.
Die Botschaft, die in Jochen Kleppers Lied "Die Nacht ist vorgedrungen" so schön und klar verkündet, ist tröstlich, auch wenn es wohl so sein wird, dass "noch manche Nacht wird fallen auch Menschen Leid und Schuld". "Gott will im Dunkel wohnen" und ist bei denen, die sich nicht über die Adventslichter und Weihnachtsmärkte freuen können, die unglücklich sind und einsam, auf der Flucht und ohne ein Zuhause. Ich wünsche uns allen, dass wir einader ab und zu ein Licht in der Dunkelheit sein können. Gottes Gegenwart ist nicht immer leicht zu spüren, vor allem, wenn man verzweifelt ist. Da kann es hilfreich sein, statt dessen die Gegenwart eines liebevollen Menschen zu spüren.
Allen einen gesegneten ersten Advent!
 
The first Sunday in Advent is really early this year, so that all the Christmas decorations feel actually quite right, on time and  appropriate. Anyway, a little extra light is much appreciated in November. 
One of my favorite hymns in Advent is by Jochen Klepper "The night is far advancing, the day cannot be far" is comforting, even if or especially when it is true that "the shades of night descend on the guilt and pain we face" "God dwells in darkness" and so he is with those who are cannot find pleasure in festive lights and Christmas markets, those who are unhappy or lonely, refugees or homeless. I wish for us all that we may be a light in darkness every once in a while. God's presence isn't always easy to feel, espcially in times of despair. So it may be helpful to feel the presence of a loving person instead.
A Happy time of Advent to you all!

10. November 2016

Die gute Botschaft weitersagen - und wie!

Jetzt sind es schon ein Paar Tage, seit der Bibeldialog für Ehrenamtliche in der Gemeinde zu Ende ging. Es war wieder eine besonders angenehme Tagung, in der viele gute Gespräche schnell eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre entstehen ließen. Das ist besonders den Teilnehmenden (aus Deutschland, Lettland und den Niederlanden) zu danken. Aber auch das Team, in dieser Zusammensetzung noch recht neu hat durch gute Vorbereitung und ein offenes Ohr für alle Fragen die Basis gelegt, auf der alles wachsen konnte: Komm, sag es allen weiter! Das war unser Thema. Und so ging es los mit der Frage nach dem WAS. Was ist der Kern des Evangeliums? Welche biblischen Texte drücken dies für uns am besten aus, aber auch welche Lieder lassen uns spüren, welche eine gute Nachricht wir zum weitersagen haben? Schon die Morgenandachten haben uns die richtigen Anregungen mit in den Tag gegeben. Das WIE haben wir diesmal vor allem beim Berliner Dom gesucht und schnell gemerkt, dass es für das weitersagen der frohen Botschaft von der Liebe Gottes keine großen Dome braucht, wohl aber eine Atmosphäre der Ermutigung und des Vertrauens, damit sich auch Ehrenamtliche mit ihren Gaben einbringen können. Ein besonders schönes und nachklingendes Beispiel durften wir kennenlernen mit dem heilsamen Singen mit Ingrid Ossig vom Berliner Dom. Andere Beispiele, wie eine Gemeinde das Evangelium auch Außenstehenden nahe bringen kann, stellt Domprediger Müller vor. Seine Beobachtungen und Erfahrungen, dass es doch auch unter Kirchenfernen Interesse an gelebter Spiritualität gibt, hat Mut gemacht. Jutta Becker Plädoyer für Vertrauen auf die Kraft von Gottes Wort ließ uns auch die Wurzeln unseres Glaubens im Jüdischen bewusst werden. Gute Neuübersetzungen zum besseren oder leichteren Verständnis der biblischen Botschaften sind hilfreich und nützlich, aber im Gottesdienst ist es wichtig zu erinnern, dass diese Worte eben nicht alltäglich sind, sondern ein Schatz und eine Kraftquelle, etwas Besonderes und Heiliges. Offen blieben manche Fragen und Sorgen, zumal in kleinen Gemeinden in der Diaspora bzw. in einem fast völlig säkularen Umfeld, ob denn die Sprache der Lutherbibel die Menschen erreicht, die nicht zum Nachgespräch bleiben wollen, wo sie Verständnisfragen stellen könnten.