27. März 2016

Ostergruß aus Wroclaw, Polen


Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo ist nun dein Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
Von den Toten auferwecken
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Nach den schrecklichen Geschehnissen in Brüssel, fiel es mir schwer, meine Osterhoffnung in Worte zu fassen. Deshalb bin ich besonders dankbar für den Ostergruß von Bischof Ryszard Bogusz aus Wroclaw:
„Ich vereine mich mit allen, die die Welt Gottes Auferstehung intensiv erleben und wünsche Ihnen viel Freude beim Begehen der Feiertage. Möge der gnädige und barmherzige Gott das Osterfest ausgiebig segnen. Das Osterfest ist nicht nur eine Erinnerung an ein Ereignis aus uralten Zeiten , das uns in der Gegenwart nicht betrifft, weil es damals geschah.  Im Gegenteil! Gottes Handeln ist nicht nur in der Vergangenheit, oder an einen konkreten Ort gebunden, sondern dauert ewig und geht über alle Zeit.
Wie Gott am Anfang der Schöpfung sagte: Es werde Licht, oder Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage, und habe seine eigenen Samen bei sich selbst auf Erden, lassen sich die Wirkungen seiner Worte bis heute erkennen. Entsprechenden gilt für die Erlösung, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Jesus ist für uns geboren, hat für uns gelitten und ist gestorben. Für uns ist ER auferstanden, um uns ewiges Leben zu schenken.
Möge die Hoffnung unsere Herzen am Osterfest ergreifen.“
Diesen guten Wünschen schließe ich mich gerne an!
Übermorgen sind wir mit der pädagogischen Studientagung in Wroclaw und beschäftigen uns mit dem Thema Versöhnung: mit einander, zwischen Deutschen und Polen/Polinnen, nach einem Konflikt, mit uns selbst und mit Gott.  Der Hoffnungsvolle Geist von Ostern wird uns begleiten.

14. März 2016

...WIE AUCH WIR VERGEBEN - ... AS WE FORGIVE THOSE WHO SINNED AGAINST US

In diesen Tagen laden wir ein zum 59. Europäischer Bibeldialog vom 8. bis 12. Juni 2016 in Berlin. Das Thema lautet:„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir…“ Schuld, Sühne und Vergebung heute." Für die Entwicklung einer gesellschaftlichen ‚Schuldkultur‘ ist das Verständnis der Begriffe Schuld, Sünde und Vergebung grundlegend. Alle Menschen werden im Laufe ihres Lebens schuldig, auch wenn es oft heißt: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Ohne das Erkennen von Schuld, gibt es jedoch keine Sühne und kein Annehmen von Vergebung.  

Kann uns unser Glaube uns helfen, mit dem eigenen Schuldigwerden verantwortungsvoll umzugehen und ebenso anderen zu verzeihen? Gibt es eine Verbindung zwischen den Begriffen Schuld und Schulden? Eine Vertiefung beim Verständnis von Schuld und Vergebung, von Schulden und Schuldenerlass kann zu mehr Gerechtigkeit führen und neue Chancen eröffnen.
Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite der Evangelischen Akdemie zu Berlin: http://www.eaberlin.de/seminars/data/2016/ebd/auvergib-uns-unsere-schuld-wie-auch-wir-vergeben-aaeag/ oder auch telefonisch: 030/ 20355-205 (Studienleitung: Dr. Tamara Hahn) oder per Mail an: hahn@eaberlin.de.
* Was denken Sie über Schuld, Sühne und Vergebung heute??

** This conference on the topic Sin, Atonement and Forgiveness Today will be in German only, but we would be happy to read your thoughts on the topic!

2. März 2016

Wir haben hier keine bleibende Stadt - For here we do not have an enduring city. (Hebr. 13,14)

Der erste offizielle Bibeldialog in 2016 ging am Montag zu Ende. Wir waren 35 Personen aus 7 Ländern, die meisten ehrenamtlich oder beruflich engagiert in der Arbeit mit Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund. Manche kamen, um sich auszutauschen, andere um einen Eindruck zu bekommen, welche Erfahrungen es schon gibt - in Sachen Flüchtlingsunterkunft, Kirchenasyl oder allgemein mit Muslimen. In den Bibelarbeiten wurde aufgezeigt, dass unsere ganze Kultur, ob wir sie Europäisch nennen oder Christliches Abendland, ohne Migration nicht denkbar ist. Unser Stammvater - der der Juden, Christen und Muslime) war letztlich ein Wirtschaftsflüchtling, der seine Heimat wegen einer Hungersnot verlassen musste. Was genau ist Heimat eigentlich, dieses Wort, dass es in vielen Sprachen nur als Umschreibung gibt? Wenn unsere wahre Heimat bei Gott ist, sind alle Länder, auch die, in denen wir ein Zuhause haben, wo wir geboren sind oder aufwachsen, immer nur eine Station auf dem Weg. So sind wir alle Reisende, und Reisende sind aufeinander angewiesen, müssen einander beistehen und helfen, wo sie können. In dem Beitrag aus dem Alltag einer Lehrerin wurde auch noch besonders deutlich, dass die Vielfalt der Kulturen und auch der religiösen Traditionen auch eine Bereicherung für alle sein kann. Ohne Mühen geht das nicht, aber wenn der Dialog im Alltag so offen und interessiert geführt wird wie ich es bei diesem Bibeldialog erleben durfte, dann schaffen wir das.

The first official Bible dialogue ended this Monday. We were 35 people from 7 different countries, mostly volunteers or otherwise committed to working with refugees or migrants. Some came for exchange of experience, others to get an idea of what is still to come. Our Bible studies showed clearly that our entire culture, whether we call it European or Christian Occident, exists because of migration. Abraham, the father of all Jews, Christians and Muslims fled his home, his "Heimat" to escape famine. But what is this German term “Heimat” really? There is no exact word for it English. It is more than a country, more than one's home, a  feeling rather than a place. And if our true home is not a place on earth, then we are all travellers and travellers need to help each other. We learned from a teacher that while diversity of cultures and religions in school classes may be a good deal of work, it is also a treasure. If all dialogue is as open and open-minded as in this group in Berlin, then I am confident that we can do it.
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11. Januar 2016

2016 Bible Dialogues - Bibeldialoge 2016

Das Jahr ist schon bald zwei Wochen alt und der Alltag hat uns alle wieder. Für das neue Jahr wünsche ich mir Offenheit und immer wieder Vertrauen, auf andere zuzugehen und sie erst kennenzulernen, bevor wir uns ein Urteil erlauben. Die Themen der Bibeldialoge dieses Jahr berühren die aktuellen Geschehnisse immer wieder, jeder Dialog auf eine etwas andere Weise. Im Februar geht es um Heimat und Verlust von Heimat. Was die Menschen durchgemacht haben, die jetzt in Deutschland angekommen sind kennt manch einer von uns von Geschichten der Großeltern. Ende März tagen wir in Polen zum Thema Versöhnung, die ein immer fortwährender Prozess ist. Unsere Europäische Studientagung für Theologiestudierende wird sich mit dem Thema Migration beschäftigen. Kann unser Glaube vielleicht sogar eine Heimat sein, die wir mitnehmen können? In Prag wird sich die European Bible Week mit dem Thema Widerstand befassen - nicht nur mit den großen Helden (oder Ketzern?) sondern mit der Frage, wo wir heute widerstehen müssen, als Menschen und Christen. Es wird ein spannendes Themenjahr, vielleicht ernster als manches Vorjahr? Viele empfinden unsere Zeit als krisenbehaftet und es gibt auch genug, zu viele Krisen. Und so ist es an uns, wie wir damit umgehen, damit uns die Krisen nicht beherrschen.

The new year is almost two weeks old and we are already back in the midst of our daily routines, at least: I am. For the new year I wish für openness and, again and again, trust to approach one another and get to know people before forming an opinion. This years European Bible Dialogues are touched by the present goings on of course. In February, we will talk about what it means to lose one's home and roots. In Poland in March, we will talk and practice reconciliation as a never ending process. Our study conference for Theology students in summer will be about Migration and whether our faith may be a kind of home, that we can take with us where ever we go. In Prague, the European Bible week will ask about resistance, not just in view of the great heroes of history but when and where do we have to resist today, as human beings and as Christians. It wil be an interesting year for the Bible Dialogues, maybe more serious than soem years before? Some say our days a riddled by crises, and there are indeed too many of them. It is up to us how we deal with them, so that the crises do not dominate us.

4. Dezember 2015

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild... - For now we see in a mirror, darkly...

... dann aber von Angesicht zu Angesicht.“ (1 Kor. 13,12) Es wird auch schon wieder zeit, zu den Bibeldialoge nächstes Jahr einzuladen. Heute stelle ich Information zum 56. Europäischen Bibeldialog vom 21. bis 25. April 2016 in Berli ein, das ist unsere Studientagung für Interessierte an Weltanschauungsfragen
*** for information in English, please scroll down.
Wir wollen in diesem Europäischen Bibeldialog die unterschiedlichen Deutungen für das „Leben nach dem Tod“ kritisch betrachten. Gerade bei der Frage nach dem Jenseits wird die „Unterscheidung der Geister“ spannend. Welche „Verheißungen“ finden wir in verschiedenen Religionen? Was sagen Bestattungsriten über die Deutung des Todes aus? Wie sieht die Hoffnung über den Tod hinaus aus? Welche Ängste werden in verschiedenen religiösen Entwürfen und Weltanschauungen geweckt?
Dieser Themenkomplex soll durch Vorträge und Begegnungen mit Vertretern anderer Religionsformen erörtert werden. Ebenso ist Zusammentreffen mit Menschen aus verschiedenen europäischen Gliedkirchen ein wesentlicher Bestandteil dieser Tagung.
Weitere Informationen gibt es auf Anfrage per E-Mail an: hahn@eaberlin.de.

***Information in English
For now we see in a mirror, darkly; but then face to face (1 Cor. 13,12)
Study Conference on issues of ideology in Berlin from April 21 to 25, 2016
We will take a critical look at various interpretations of „life after death“. What kinds of promise can we find in our and other religions? What fears are created by religions and ideologies? What do funeral rites reveal about the interpretations of death? What about hopes beyond the grave?
Encounters with people of different beliefs and ideologies as well as other European churches are an essential part of this conference.
The study conference will be held in German, but interpretation into English can be provided on request. Please let us know with your registration whether you may need interpretation. For more detailed information, please mail to: hahn@eaberlin.de

3. Dezember 2015

Predigt im Advent - Sermon in Advent

Klaus Wollenweber ist einer unserer Leiter der Bibeldialoge. Seine Predigt für den 2. Sonntag im Advent hat er mir geschickt. Wie so oft, haben mich seine Worte nachdenklich gemacht und so möchte ich sie mit Euch/Ihnen gerne teilen: Predigt zu Jakobus 5:7-8, verfasst von Klaus Wollenweber

Liebe Gemeinde, traditionell ist in unserer Kirche der 2.Advent von folgendem Thema geprägt: die Wiederkunft Christi. In jedem Gottesdienst sprechen wir im Glaubensbekenntnis: „…von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten…“. Gleich zu Beginn eines neuen Kirchen-jahres – an diesem 2.Advent – denken wir darüber nach, dass Jesus Christus nicht nur damals geboren, gestorben und auferstanden ist, sondern dass er auch wiederkommen wird. Der Blick in die Vergangenheit öffnet uns in der Gegenwart die Hoffnung auf die Zukunft. So hören wir den für diesen Adventssonntag vorgeschlagenen biblischen Text aus dem Brief des Jakobus, 5.Kapitel die Verse 7+8:
Haltet nun also geduldig aus, Geschwister, bis der Herr wiederkommt! Denkt an den Bauern, der darauf wartet, dass auf seinem Land die kostbare Ernte heranreift. Ihretwegen fasst er sich in Geduld, bis der Herbstregen und der Frühjahrsregen auf das Land gefallen sind. Fasst auch ihr euch in Geduld und stärkt eure Herzen ´im Glauben`, denn das Kommen des Herrn steht nahe bevor.
    Am 2.Advent spüren wir Erwachsenen schon die innere Spannung, dass uns mit all den Weihnachtsvorbereitungen nicht mehr viel Zeit bis zum Fest bleibt. Wir müssen noch allerhand bewegen und tun. Dieser Befindlichkeit widerspricht die biblische Aufforderung zur Geduld und hilft auch nicht so recht weiter. Außerdem erleben wir bei Kindern im Advent eine immer stärker werdende Ungeduld. Das Warten ist wirklich nicht leicht.
Wer von uns findet jetzt noch die Ruhe zum Nachdenken darüber, warum und wie mit der Adventszeit das Ereignis der Wiederkunft Christi verbunden ist? Unsere Gedanken und Erinnerungen sind eher erfüllt von den traditionellen weihnachtlichen Sitten und Bräuchen in unserem Umfeld und von solchen, die wir in unseren Familien ererbt haben. Gerade diese Erinnerungen bewirken oftmals die gegenwärtige Spannung und Hektik in uns, so dass wir kaum dazu kommen, unsere Gedanken auf die froh machende Hoffnung in der Zukunft zu richten. Dabei kann ein Blick in die uns Christen versprochene Zukunft das Starren auf die Gegenwart entlasten und unser Gefangensein in der Erinnerung an die Vergangenheit lösen. Die realen Ängste, Mühen und Sorgen um die Vorbereitungen des kommenden Festes würden ihre bedrückende Belastung verlieren. Denn die wahre Bedeutung von Weihnachten, diese biblische Botschaft, wird dann wieder in den Mittelpunkt rücken. Sie lautet: Gott kommt uns entgegen und macht uns Mut. Am Horizont dieser Welt erwartet uns Christen der Gott, der sich der Menschen erbarmt hat: der gnädige und barmherzige und geduldige Gott des Lebens. Dieser ist nicht der Vorsitzende eines Strafgerichtshofes, sondern der gütige Herr, der uns unter all unseren Lasten sieht und uns aufrichten möchte.
Gott hat uns durch die Auferstehung Christi und die Verheißung eines Lebens in der Nähe Gottes alle Angst genommen vor dem Strafgericht und vor jeder Art von Abgründen der Hölle. Wenn wir unseren christlichen Glauben ernst nehmen und wirklich darauf vertrauen, dass Jesus Christus für unsere Schuld gestorben ist und uns durch seine Auferstehung zu einem neuen Leben bei Gott befreit hat, dann bedeutet die Aussage im Glaubensbekenntnis „von dort wird er kommen zu richten …“ keine Verurteilung, kein Strafgericht.
Stattdessen können wir mit Freude aufatmen: Gott wird uns aufrichten! So wie es im Wochenspruch heißt: „Seht und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“
So gilt: Den Blick als Wartende aufzurichten auf den gekreuzigten Jesus. Wie Gott ihn nicht allein ließ, so lässt er uns in unserem Leid, mit unserer Schuld, mit unserer Angst und Ungeduld, mit unseren Gewissensbissen nicht allein. Wir müssen nicht aus Furcht vor dem Gericht Gottes auf die Knie fallen und uns nicht ausmalen, was da alles auf uns zukommen kann. Nein, wir sollen uns in unserem Warten gegenseitig die Herzen stärken, wie Jakobus schreibt.
Dieser liebende Gott nimmt uns alle Ängste und schenkt uns stattdessen das Vertrauen in sein Wiederkommen, so dass wir uns jetzt ganz nüchtern und sachlich der bestehenden Welt mit all ihren Schrecknissen zuwenden können. Die dreimalige Aufforderung zur Geduld in dem Jakobusbrief bedeutet nicht: Jetzt Hände in den Schoß legen und abwarten, was kommt. Nein, sondern so wie der Theologe Eberhard Jüngel einmal gesagt hat: „Geduld ist der lange Atem der Leidenschaft.“ Liebe Gemeinde: der Leidenschaft! Ja, Geduld ist das genaue Gegenteil von Resignation!
Wenden wir also getrost erhobenen Hauptes den Blick auf die eigenen Probleme und die der anderen: Da ist Hunger und Elend in der Welt, Gewalt und Ungerechtigkeit. Bemühen wir uns z.B. in der derzeitigen Flüchtlingsproblematik, nicht nur in den eingefahrenen Gleisen zu denken und zu handeln. Der Advent Christi mutet uns viel Fantasie zu sich zu bemühen, wie es unter uns weniger Tränen geben kann. Denn in der Zeit des Wartens setzen wir die Werke Christi fort, Werke des Friedens, der Menschenliebe, der Versöhnung und der Gemeinschaft. Hoffen wir also in unserem Handeln gemeinsam auf den, der alle Tränen von unseren Augen abwischen wird, wenn er wiederkommt. Dann wird der Tod nicht mehr sein, und Leid und Schmerz werden von der Erde verschwinden. Es kommt der Tag, an dem unsere müden Knie und schlaffen Hände gestärkt werden. Wir werden die Barmherzigkeit und Gnade und Geduld Gottes dann erleben, an die wir jetzt schon glauben.
Für mich ist die kleine Episode sehr eindrucksvoll, die aus dem Parlament eines amerika-nischen Bundesstaates aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts erzählt wird:
Während einer Sitzung des Parlamentes irgendwo im Mittelwesten trat eine Sonnenfinsternis ein. Eine Panikstimmung drohte auszubrechen. Der gerade redende Abgeordnete gab ganz ruhig zu bedenken: `Meine lieben Abgeordneten! Es gibt jetzt nur zwei Fragen mit dem gleichen Resultat. Entweder der Herr kommt, - dann soll er uns bei der Arbeit finden, oder er kommt nicht, - dann besteht kein Grund, unsere Arbeit zu unterbrechen.`“
Liebe Gemeinde, diese Haltung und Einstellung ist dem christlichen Glauben angemessen. Es wird mit dem Wiederkommen Christi gerechnet, aber eben nicht mit Angst oder im Sinne einer Berechnung aufgrund von Naturereignissen, die sich auf das Ende der Welt konzentrieren und darüber die gegenwärtigen Aufgaben und Herausforderungen aus den Augen verlieren. Wir leben heute gleichsam in einer Zwischenzeit bis zur Wiederkunft Christi. In gewisser Weise sind wir „Wanderer zwischen zwei Welten“: zwischen der alten vergänglichen Welt, in der wir heute leben, und der neuen Welt, die uns Jesus Christus schon eröffnet hat und in die er wiederkommt.
Von David Ben Gurion, dem damaligen Ministerpräsidenten Israels stammt der Ausspruch: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Bleiben wir also lieber Realisten; vertrauen wir auf das Wunder, dass Jesus Christus wiederkommt, um uns endgültig aus allen Zwängen und gefahrvollen Bindungen dieser Welt zu lösen. Verlieren wir nicht den Glauben an Wunder in dieser Zeit des widersprüchlichen Lebens. Noch existiert der Adventsbetrieb mit der menschlichen Spannung und Hektik, aber zugleich hören wir jedes Jahr die Aufforderung, gelassener und froher, mit mehr Leidenschaft zu warten. Wir haben das Fundament und das Ziel unseres christlichen Glaubens im Herzen: Jesus Christus i s t gekommen und er w i r d kommen, zu suchen, was verloren ist; aufzurichten, was gebeugt ist; zu befreien, was uns gefangen hält; zu heilen, was verletzt ist.
Weil Gott zum Greifen nahe ist, darum setzt uns das Warten im Advent in Bewegung. Diese Adventsbotschaft der Wiederkunft Christi birgt in sich eine kreative Hoffnung, die uns positiv ansteckt und Mut macht. Unsere adventliche Hoffnung ist gleichsam ein trotziger Widerstand gegen die dunklen Seiten des Lebens, gegen unsere menschliche Angst und Verzweiflung. Es gibt keinen Ort und keinen Winkel auf dieser Erde, wo Gott nicht nahe wäre, seit er so Mensch geworden ist wie wir. Aus diesem Grunde hoffen wir auch auf den Mut für die Zumutung, an die Wiederkunft Christi zuglauben. Wir brauchen Mut, Lebensfreude und Kontakt zu Gott im Gebet, damit diese frohe Botschaft bestimmender Maßstab für unser Tun und Denken ist.
Am Ende unseres Lebensweges steht kein finsterer Abgrund im Gericht, sondern da geschieht die befreiende Begegnung mit Gott. Er selbst richtet uns auf. Wie so ein Christenleben schon heute in der Nähe Gottes gelebt werden kann, beschreibt Lothar Zenetti mit den nachdenkenswerten Worten:
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen;
was keiner sagt, das sagt heraus;
was keiner denkt, das wagt zu denken;
was keiner anfängt, das führt aus.
       Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen;
       wenn keiner nein sagt, sagt doch nein;
       wenn alle zweifeln, wagt zu glauben;
       wenn alle mittun, steht allein.
Wo alle loben, habt Bedenken;
wo alle spotten, spottet nicht;
wo alle geizen, wagt zu schenken;
wo alles dunkel ist, macht Licht.“
Der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

Altbischof Klaus Wollenweber

19. November 2015

'nous sommes unis, wir sind vereint' - We are united

Nach den Anschlägen in Paris und den Terrordrohungen von Hannover setzen die großen Glaubensgemeinschaften in Berlin am Donnerstag, den 19.11. um 18 Uhr im Berliner Dom mit einer gemeinsamen Andacht ein Zeichen gegen den Missbrauch der Religion und für eine freiheitliche Gesellschaft.
'nous sommes unis, wir sind vereint' - ökumenische Andacht im Berliner Dom
Donnerstag, 19.November 2015, 18.00 – 18.45 Uhr

After the attacks in Paris and terror threats in Hannover, the major faith communities in Berlin are getting together for an ecumenical prayer to set a sign against the abuse of religion and for a free society.
'nous sommes unis, we are united' - ecumenical prayer  at Berlin Cathedral
Thursday, 19 November 2015, 18.00 – 18.45

18. November 2015

Buß- und Bettag - Day of Prayer and Repentance

Dass heute Buß- und Bettag ist, könnte man fast übersehen. Buße ist gerade kein Modewort. Büßen und beten - das klingt nach einer vergangenen Zeit, in der die Menschen noch Höllenfeuer fürchteten. Vielleicht liegt in diesem Tag aber eine Aufforderung zur Umkehr. Denken wir darüber nach, was wir falsch gemacht haben, wo wir vielleicht andere Menschen verletzt haben. Nutzen wir unsere zweite Chance für einen Neubeginn.
The Day of Prayer and Repentance used to be a public holiday in Germany years ago. Post offices, banks, schools, stores and businesses were closed that day. It is on the last Wednesday before November 23 and 11 days before the start of Advent. It is an occasion for Protestant Christians to pray or reflect on quiet thoughts.Repentance is not exactly a fashionable trend these days but maybe a chance to think about where we have failed or hurt people. It can be a second chance to make a new start.

16. November 2015

Inspirieren und begeistern. To inspire and to inspirit

Gestern endete unser Bibeldialog zur Apostelgeschichte. Da die Teilnehmenden alle ehrenamtlich im Verkündigungsdienst sind, ging es vor allem ums Predigen. Eine gute Predigt, da sind wir uns einig, kann die Menschen im Gottesdienst inspirieren. "Inspirieren" heißt eigentlich "begeistern". Zwar denken wir heute bei "Begeisterung" eher an freudige Erregung oder auch einfach ein besonders großes Interesse, aber ursprünglich hieß das Wort "begeistern": beleben, im Sinne von "mit Geist erfüllen". Das passt dann sehr gut auf den Gottesdienst und ist ein gutes Ziel für eine Predigt  und ganz im Geiste der Apostel.
Yesterday we ended our Bible Dialogue on the Acts of the Apostles. As all participants are volunteers in the ministry of Proclamation, our conference was most and formost about preaching. A good sermon, we all agreed, can inspire people. "To inspire" really means "to give life", "to instil spirit". That is of course a fitting goal for any sermon and any worship service and perfectly in the spirit of the Apostles.

11. November 2015

GEMEINDE INSPIRIEREN. Inspiring congregations

Heute beginnt der letzte Bibeldialog in diesem Jahr. Es treffen sich Pädikantinnen und Prädikanten aus vier Ländern, um miteinander über die Apostelgeschichte zu sprechen und Anregungen für gutes Predigen zu finden. Gut predigen; das heißt, so zu der Gemeinde sprechen, dass die Menschen angerührt sind, dass sie etwas für sich mitnehmen. Gut predigen heißt auch, Menschen zu inspirieren, sie wortwörtlich zu begeistern. 
Today we begin our last Bibel Dialogue this year. Lay preachers from 4 european countries get toegther to discuss the Acts of the Apostles and look for suggestions for good sermons. To preach well; that to speak to the congregation in way that their hearts will be touched, to give them food for thought. Preaching well also means to literally inspire people.